Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1851)
- Article
- Jüdisch-geschichtliche Studien
- Date
- 1851-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Wissenschaftliche Aufsätze. 115 L) Das subjektive Zeugniß eines einzigen Zeugen, das aber vermöge dessen naiver, ungekünstelter, absichtsloser Darstellung den Stempel des Wahren und Zuverlässigen an sich trägt, dürfen und müssen wir als Thatsache aufnehmen, sobald dessen innere Haltbarkeit erwiesen und eS. nicht mit anderweitigen geprüften Nachrichten in Widerspruch steht. Die talmudische Literatur ist reich an solchen naiven, ohne Nebengedanken, ohne apologetischen oder polemischen Zweck erzählten Berichten: es gehört aber dazu ein feiner Takt, lebendige Vertrautheit mit Sprache, Redewendung und Redefiguren, endlich eine gewissenhafte Un- Parteilichkeit und VorurtheilSlosigkeit, nicht Alles, was im Talmud steht, als rabbinische Fabel zu verdächtigen, oder andererseits zum unantastbaren Wort zu erheben, — Gehen wir mit diesen Mitteln und mit dem Drang nach Wahrheit, die jedem Geschichtsforscher eine Pflicht sein sollte, ar; die Berichte, so wird es nicht schwer werden allgemeine Thatfachen als Ausgangspunkt festzustellen, die uns in dem Labyrinth des massenhaften Details zum Leitfaden dienen können. Ich will es versuchen hier eine Reihe von geschichtlichen Unterfuchungen folgen zu lassen, die dazu beitragen sollen, einige, sichere Voraussetzupgen für die Bearbeitung der talmudischen Geschichtsepoche zu flxiren und eine pragmatische Behandlung derselben anzubahnen. Nach so vielen gescheiterten Hoffnungen, der Wissenschaft des Judenthums den ihr gebührenden Rang zu vindieiren, soll wenigstens die jüdische Geschichte, das Wunderwerk der Vorsehung, endlich einmal einen Abschluß finden.; I. Die Söhne Bethyra Mit der herodianischen Regierungszeit beginne ich die geschichtlichen Studien. In diese Zeit Mt das Synhedrialpräsidjum der Söhne Betera ־— so die althergebrachte Benennung. — Diese Familie oder diese Männer — man weiß nicht recht, was man daraus machen soll — sind durch nichts weiter in der jüdischen Geschichte bekannt, als durch ihre ehrgeizlose Bescheidenheit, als sie ihre Präsidialwürde, einem Würdigern überließen*). Ms nämlich einst das Pesach an einem Sabbat fiel, entstand die Frage, ob das Opfern des PesachlammeS am Sabbat gestattet sei. Die Bne Betera, als Synhedrialvorsteher Träger der Traditionslehre und der Gesetzauslegung, wußten keinen Bescheid zu geben. Da wurde ein bis dahin unbekannter Babylonier, Hillel, herbeigerufen, der die Frage glücklich löste: hierauf setzte man die Bne Betera ab, und Hillel wurde Synhedrialprastdent. — So weit die Er zählung. — Sie enthält aber so viel auffallende Züge und sachliche 1) Pesachim (jerus. Vl. 1.) bab. 66. tfC ׳*4י‘ 9: