Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1851)
- Article
- Briefe aus London
- Date
- 1851-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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106 Briefe ciitö London. jedes einzeln nnd alle zusammen, wie sie mit Herz und Seele in der Sache, die sie mit so vieler Kraft zu ihrer eigenen gemacht, arbeitete. Ihr erstes Werk, welches ihr eigenes Volk so besonders betrifft, wurde von den englischen Juden nur kalt ausgenommen; hingegen in Amerika (סעו die Inden ihren, christlichen Mitbrüdern vollkommen gleichgestellt sind), begrüßte man diesen ausgehenden Stern mit Freuden und erwartete mit Sehnsucht, ihn im Höhepunkte seines Glanzes zu sehen. Briese und Glückwünsche kamen zu ihr über das Atlantische Meer, und die welche nur ihre flüchtigen Skizzen gelesen hatten, waren erstaunt über den edeln Eifer und die fromme Energie, welche sie beseelten wenn sie über die Juden schrieb. Eine kleine ״Geschichte der englischen Juden", von dem Herrn Chambres herausgegeben, (״Historv־ of the EngUsh Jcws“ in ״Cham־־ ber’s MiscelJanies“) übertrifft vielleicht ihre anderen Schriften an Styl und Vollendung —־ die Satze sind mehr zusammengedrängt — die Belehrung reicher an Interesse. Es war, wie wir glauben, ihre letzte Liebesarbeit, und sie hatte große Freude a\1 deren Veröffentlichung. Nach Beendigung dieser Arbeit hatte sie beschlossen, die deutschen Bäder zu besuchen und, so weit es ihre zunehmende Schwäche gestatten würde, die Gesellschaft ihres ältesten Bruders, welcher damals in Frankfurt die Musik (eine Kunst, i-n der er jetzt so ausgezeichnet ist) stndirte, zu genießen. Ihr jüngster Bruder war zur See. Schon vor ihrer Abreise nach England fühlte sie zuweilen, daß ihre Tage gezählt seien; dieses Gefühl verbarg sie jedoch vor ihrer Mutter; sie ertrug ihre Leiden mit der stillen und heitern Geduld, welche den Genuß erhöhte, sie zu sehen und sprechen Zn hören. Zuweilen glaubte sie wirklich, ihr Leben dürfte noch ein wenig länger verschont bleiben, mit ihre Mutter zu trösten, um Zeuge der Auszeichnung ztt sein, welche ihren Bruder gewiß noch belohnen müsse, und den Ruf zt! genießen,, der jetzt ihr zu Theit wurde,, besonders von Seiten ihres eigenen Volkes, sowohl in England als in Amerika. Ihren Freunden treu ergeben bedauerte sie sehr, daß sie nicht von ihnen Allen Abschied nehmen konnte; allein ihre Schwäche nahm täglich überhand; von Polstern unterstützt, fuhr sie noch täglich fort zu schreiben, bis ihre Aerzte ausdrücklich befahlen, daß sie sich dieses ihres ״größten uu letzten Genusses" enthalte. Sie gehorchte, wiewohl sie äußerte, daß das Schreiben ihr wohlthue und nicht schade; sie sagte häufig, daß wenn die Sorge, die Angst und der Schmerz sic niederdrnckte, ihre Lieblingsbeschäftigung sie von sich abziehe, und sie glaubte fest Daran, daß das Schreiben ihre Kopfschmerzen erleichtere, und zwar zu einer Zeit, wo sie zu krank ivar, selbst der Musik znzuhören. Aber alle, alte ihre Leiden ertrug sie als den