Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1851)
- Article
- Briefe aus London
- Date
- 1851-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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104 Briefe aus London. Schnurzen ergriffen, die zitternden Finger die Feder nicht mehr zu halten wermochten. Was für ein schönes Gemälde bietet sich uns hier dar ein junges und hochbegabtes jüdisches Mädchen, im Schoße ihrer eigenen Familie crzogelc, der Liebling ihrer Aeltern, die selbst zur höheren Klaffe der Inden gehörten, mit Geschmack für das Schöne in der -Natur und Kunst und mit einer erhabeneir Liebe zur Wahrheit ausgestattet waren, und die das Treiben der geschäftigen Eitp verlassend, mit einem gerade hinreichenden Auskommen zufrieden waren. und ׳ihren Trost in den .Kenntnijsen, der Anmnth und der Ergebenheit dieser einzigeu theuer gehaltenen Tochter fanden, deren hohe Beschäftigungen und Zwecke die tägliche und stündliche Ausübung jener häuslichen Pflichten und Dienste, welche die zunehmende Kränklichkeit ihres Vaters mehr und mehr forderte, niemals verhinderten, Durch den Rath einer verständigen Freundin angespornt, welche, während sie die mannigfaltigen Talente des jungen Mädchens bewunderte, einsah, das׳, um. einem großen Zwecke zu genügen, diese Talente koncentrirt werden müssen, flehte Graee Aguitar inbrünstig zu Gott, daß er sie in den Stand setzen möchte, etwas zu leisten, wodurch sie den Charakter ihres Volkes in den Angen der christlichen Welt imb, was selbst noch wichtiger war und ist, in seiner eigenen Schätzung erheben könnte. Eie verlangte danach, ihm die ״Urkunden Israels ״ (Üie Records of Israel) vor Angen zu sichren, imb die ״ Frauen Israels" (tbe Wernen of Israel), jene heLdemnüthigen Frauen, ans die jede Nation mit Recht, stolz sein würde, seiner Bewunderung vorzuhalten. Hier war ein großes Ziel, — ein Ziel, )reiches ihr das Herz im Busen erhob. Sie wußte, daß sie gegen Vas allgemeine Gefühl würde schreiben muffen ־, — ja, sie hatte das noch betrübendere Bewußtsein, das die Mehrheit derer, für die sie kämpfen wollte, die Sache der sie mit Herz und Seele ergeben war, wenig beachtete. Doch welcher große Geist ließ sich je durch Schwierigkeiten von einem großen Vorhaben Abschrecken? Das junge jüdische Mädchen, mit wenig oder gar keiner literarischen Bekanntschaft, kaum wissend, wie sie die Dinge ans Tageslicht bringen sollte, hielt ihre Absicht eine Zeitlang verborgen und theilte sie dann ״der Mutter mit, von der sie mit Sicherheii Unterstützung in Allem, was hehr und heilig war, erwarten durste. Die Mutter bezeigte eine Hobe Freude über der Tochter Plan und glaubte an deren Kraft, ihn auszuführen: sie glaubte an ihr edles Kind und dankte dem Gotte Israelis, der ihr diesen Gedanken eingegeben hatte. Die Mutter wußte, daß Graee die Religion nicht blos behufs ihres eigenen persönlichen Vortheils ׳und der Beobachtung halber