Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1851)
- Article
- Briefe aus London
- Date
- 1851-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Briefe aus London. 103 übet ihre Freundin einen Bericht ablegte, den ich Ihnen tbeitweise wiedergeben will?). Graee Aguilar, die einzige Tochter des Emanuel und der Sarah ^IßiuCar, ward in Hackney im Juni des Jahres 1816 gebereil. Sie war von so gebrechlicher und zarter Natur, daß ihre Aeltern sie an die See itadj Hastings brachten als sie vier Jahr alt war, imb schon so früh fing sie an Muscheln zu sau!meln nnd zu ordnen׳, das Lesen lernte sie fast von selbst, und wenn sie sich ein Geschenk wählen sollte, so!rar es stets ״eilt Buch", das sie vorzog. Diese gesbenkten Bücher wurden nun nicht etwa gelesen und dann beiseite geworfen, sondern mit der größten Sorgfalt aufbewahrt und zu wiederholtenmalen durchstudirt. Von ihrem siebenten Jahre an führte dieses außerordentliche Kind ein Tagebuch, worin sie Alles, was sie sah, hörte und dachte, mit der strengsten Berücksichtigung der Wahrheit cintrug; in der That jedesmal, wenn sie einen neuen Ort besucht hatte, war es ihre größte Freude, alles darauf Bezügliche -nachzutesen und zu erwägen. Ihre Eltern .waren beide leidenschaftliche Bewunderer von Natnrschönhciten, und sie freute sich mit ihnen über Landschaften in einem Alter, wo man Kinder gewöhnlich für die Beobachtung unfähig halt. Ihre Mutter, eine hochgebildete und begabte Frau, richtete gern ihrer Tochter Geist auf das Studium alles Schönen und Wahren. Ehe diese ihr zwölftes Jahr vollendet hatte, schrieb sie ein kleines Drama, ״Gustav Wasa" betitelte es war dies eine Hinweisung aus das, was spater ihre herrschende Leidenschaft wurde. Das erste Geschichtswerk, das in ihre Hände geriet!), war das des Josephus; und dieses vermehrte nur den Antheit, den sie an ihrem Volke nahm. Nach verschiedenen Wanderungen durch England zog die Familie im Jahre 1820, in Folge der geschwächten Gesundheit des Vaters, nach Devonshire. Die Schönheit der Gegend um Tavistock begeisterte sie zu ihren ersten poetischen Ergießungen, und sie.faßte eine leidenschaftliche Liebe zu dieser ihrer neuen Kraft; dennoch ließ ihr wohlgeregelLer Geist nicht zu, daß sie dieses verlockende Talent in An- Wendung brachte, ehe sie nicht ihren täglichen Pflichten nachgekommen war und ihre Studien vollendet hatte. Ein Leben, wie das von Grace Aguilar, bietet nur wenig Ereignisse und Abwechselung dar; es ist lediglich ein Bericht darüber, wie sie ihre Talente hoch ausbildete, ihre Pflichten liebevoll erfüllte, und wie sie später einen großen Vorsatz faßte und mit stoischer Entschtossenheit dabei beharrte, bis, von Polstern unterstützt und von heftigen *) Vgl. auch Magazin des Auslandes 1851. Nro. dl. D. N.