Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 2 (November 1851)
- Article
- Briefe aus London
- Date
- 1851-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Briefe aus London. . 59 in Australien an ihn, daß er einen Rabbiner daselbst anstelle, und in ähnlicher Absicht besucht ihn eine Deputation aus Jamaica. Es wird bei ihm Auskunft von fernen Welttheilen gesucht; und nicht wenig dürste eine aus San Francesco in (Kalifornien an ihn gerichtete Anfrage Ihr Erstaunen erregen. Es hat sich daselbst eine jüd. Gemeinde von aus aller Welt Enden Zusannuengeflosfenen gebildet, bei denen eigentliche Frömmigkeit weniger, Parteigeist aber ganz zu Hause zu sein scheint. Bei einem daselbst sich ereigneten Todesfälle behaupteten Manche,"daß dem Verstorbenen wegen seines unlautern Lebenswandels eine' abgesönderte Begräbnißstättc angewiesen werden müsse; und der Zwist ging noch über das Grab hinaus, aus dem man ihn entfernen wollte. Adler entschied sich natürlich für die Unantastbarkeit des Beerdigten. Ich werde noch Gelegenheit finden Ihnen über manche hierher einschlagende Verhältnisse zu schreiben; für heute nur noch die Notiz, 'daß in England der Oberrabbiner als der Primas einer bestehenden Kirche betrachtet, und ihm auch von Seiten aller Behörden mit der ihm als solchem gebührenden Achtung entgegengekommen wird. IV. Ich wende mich heute zur Schule: und um meine Mittheilungen mit einem bedeutenden und erfreulichen Gegenstände zu beginnen, erlanben Sie mir, Ihnen über Gründung, Leitung und Wirksamkeit der hiesigen ״jüdischen Fr ei schule" (.lew 8 Free School) einen ausführtichen Bericht zu geben. .' Es ist leider zu sehr, bekannt und anerkannt, daß es kaum irgend eine dunklere Schattenseite in den socialen Verhältnissen Englands gibt als der Zustand der öffentlichen Erziehung. Bis jetzt jeder einheitlichen Leitung von Seiten, des Staates entbehrend, ist sie ganz der Willkür des Zufalls überlassen; und dieser Mangel würde noch traurigere Nesuttate herbeiführen als die Nebelstände, welche alljährlich in! Parlamente angeregt, diskutirt und anerkannt werden, wenn nicht die Privat-Äffociation auch hier helfend und mildernd einträte, und zwar da, wo die Erziehnng am meisten verwahrlost und doch am dringendsten uothwendig ist, nämlich bei der ärmeren Bevölkerung des Landes. Unter ben zahl- Losen Armenschulen, die in Anerkennung jenes bedrohlichen Uebelstandes im ganzen Reiche gebildet wurden, nimmt die jüdische Freischule einen ehrenvollen Rang ein; und sie kann mit Recht als ein Stolz der hiesigen und als ein Vorbild der auswärtigen Glaubensbrüder bezeichnet werden. Diese großartige Anstalt liegt in einem Stadttheile, in dem fast 5* :