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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1851-11-01 · Heft 2 (November 1851) · p. [Seite]

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
1 (1851-1852)
Issue
Heft 2 (November 1851)
Article
Briefe aus London
Date
1851-11-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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58 Briefe ans London. nehmen wollen; er. soll über den Parteien stehen. Vermeinen Sie aber nicht, daß der Rabbiner hierdurch eine Sinecnrhabe; gerade weil die Parteiungen seine Kräfte nicht zersplittern ist ihm ein großer Wirkungskreis angewiesen, ans dem er die edelsten Saaten ausstreuen und zur Reife bringen kann. London hat eine israelitische Einwohnerzahl von mindestens zwan- Zig tausend Individuen. Diese vertheilen sich in viele Synagogen und bilden,-wenn man es so nennen darf, in administrativer Hinsicht ebenso viele Gemeinden oder Synagogensprengel. Jeder sich Verheirathende inscribirt sich vermittelst einer Ein kan fsumme in eine Synagoge und erlangt-hierdurch gewisse Rechte; und es sorgt jede Synagoge bei manchen im Rituellen bedingten Vertheilnngen und Spenden für die in ihr inscribirten Armen. Jede dieser Synagogen — unter denen als die größeren hervorzuheben sind: die Dukes Plaee, Neu, Portugisische u. a. — verwaltet sich selbstständig; in ihrer Gesammtheit bilden sie die Gemeinde. .Einen Gemeindevorstand gibt es nicht; aber der organisirende ordnungsliebende Geist des Engländers läßt ihn das Mittel finden, diese vereinzelten Gemeinden durch das Band gegenseitiger Achtung und Ancrkenmmg zu einem Ganzen zu verbinden. An der Spitze dieser, eigentlich mir in religiöser Hinsicht ein Gauzes bildenden Gemeinde', stehet der Oberrabbiner nebst drei Beisitzern. Der gegenwärtige Oberrabbiner, D1\ Adler füllt ganz seinen Platz ans, nicht weil er Hierarch, sondern weil er nn Gegentheile ein Mann der . sanftesten und bescheidensten Gesinnung ist. Der- Engländer spricht von ihm mit tiefer Hochachtung; und wer sich seines näheren Umganges erfreuet gedenkt nur mit Wärme seiner Liebenswürdigkeit und Anspruchslosigkeit. -Adler besitzt tiefes und ausgebreitetes Wissen; ist innig vertrauet, mit demweiten Gebiete der talmudtschen und sonstigen jüdischen Literatur, und überhaupt An wissenschaftlich dnrchgebildeter Mann. Unstreitig würden seine Beiträge zu Onkelos viel zur Aufklärung ans diesem noch nicht völlig gelichteten Gebiete beitragen; aber dieser anspruchslose Gelehrte, der mit seinen literarischen Erzeugnissen hervorzntreten zögerte, ist jetzt vollends durch seine gehäuften Berufsgeschäste an jeder Ver- ׳öffentlichnng behindert. Neben der Erfüllung der Obliegenheiten der ׳eigentlichen. Belehrung, als Predigt und dgl. entwickelt vr. Adler eine nngemeine ThäUgkeit für Schule und wohlthäiige Vereine; -und seine mit echter Frömmigkeit gepaarte Milde fuhrt ihn an das-Krankenlager -zur-Seite des Leidenden, und tu das Tranerhauö an die Seite des Trauernden. Zudem iss der Oberrabbiner Londons zugleich Lehrer׳ der ׳ Mischen Gemeinden-Englands^ und seiner Kolouieen; und es wird wie durch Uebereinknnst, sein Wort als normgebend in dem weiten Umfange 'der!-Besitzungen Großbritaniens angesehen. Man. wendet sich ln Sidney

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