Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 2 (November 1851)
- Article
- Briefe aus London
- Date
- 1851-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Briese aus London. 57 (Kommunismus: diese Rechtsverwirrung ist dem Wesen des Briten, den von ihm von früher Jugend eingesogenen Begriffen ganz fremd. Besuchen Sie Hydepark und Kenflngton an einem schönen Nachmittage, und werfen Sie Ihren Blick'aus die vielen eleganten Karoffen und die Fußganger der mittleren und unteren Klassen: es spiegelt sich in den Augen des englischen Bettlers dem Fremden gegenüber ein gewisser Stolz aus seine reichen Herzoge und Lords ab, der zu sagen scheint, dieses gehört mit zu Englands Größe. Englands Aristokratie bildet nach dem Begriffe seiner Bewohner ein wirkliches Glied in dem Staatsgefüge; sie stand auch in der That nie als ein feindliches Element dem Volke gegenüber, sondern errang schon in de.r Magna Charta mit seinen Rechten auch die Rechte des Volkes. Mit Recht kann man daher auch behaupten, das aristokratische Prinzip bilde die Folie der gesellschaftlichen Verhältnisse des Engländers. So zeigt es sich Ihnen in seinem Umgänge, so nehmen Sie es wahr bei dem Eintritte Ln sein Haus, in dessen Einrichtung, in dem Tone der darin herrscht, in dem Fuße, ans welchem die Glieder der Familie zu einander stehen. Sehr natürlich ist, daß diese Form sich auch auf die Kirche, bei unseren Glaubensgenossen auf die Synagoge hinübergepflauzt habe. Treten Sie mit mir in die Dukes Place Synagoge: das stattliche Got- Leshans erfüllt mit Ehrfurcht, die darin herrschende Wurde und fromme Ruhe mit Andacht. Dieses Gebäude faßt drei tausend Menschen, die auch an den hohen Feiertagen sich darin versammeln; und es ist jeden Sabbat von mindestens fünf hundert Beiern besucht, die weder durch Geräusch noch Gespräch daran vergessen lassen, daß man sich an einer der Gottheit geweiheten Stätte befinde. Die Bänke sind amphitheatralisch geordnet imb dem erhöh eien, in der Mitte der Synagoge sich befindenden Betplatze des Vorbeters, zngewendet. Von diesem Betplatze laufen einander gegenüberstehende Bänke bis zu der heiligen Lade ארק) und sind für die Vorsteher der Synagoge bestimmt: an der Morgenseite befindet sich der heiligen Lade zunächst das alleinstehende Betpnlt des Oberrabiners, und diesem zunächst Ehrensitze für die abgetretenen Vorsteher. Es wird hier Jedem mit der ihm gebührenden Achtung begegnet: und diese kommt vor Allem dem Oberrabiner entgegen. Die Neibungen die fast in jeder deutschen Gemeinde die beste ^Kraft mehr oder weniger schwächen, die Lust den Rabbiner zum Spielball der Parteien und Parteiungen zu machen, die maßlosen Benrtheilungen denen ihn Jedermann unterwirft und sich zu feinem Richter answirst, find in England unbekannt. Dort lehrt der richtige, auch aus den oben bezeichne- Len Formen hervorgehende Takt dem Rabbiner seine eigentliche Stellung anweisen: kein Individuum, keine Partei wird ihn für sich in Anspruch Frankel, Monatsschrift, l