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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 661

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Der literarische Kampf um die Emanzipation in den Jahren 1816-1819
Date
1939-01-01
Page
Seite 661 (sequence 17)
Language
German
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Der literarische Kampf um die Emanzipation in den Jaliren 1816-1819 661 feindschaft jener Zeit als die groBte Demiitigung ihres Daseins empfanden. Die enttåuschte Liebe, in ihxem stårksten Gefuhl verraten nnd verletzt, zog sich hinter die Mauer einer bitteren Menschenverachtung, einer gnadenlosen Einsamkeit zuruck und fand nur noch die Kraft, in welimutigen Melodien den tausendjåhrigen Schmerz zu beschworen oder das dustexe Martyrium, eines unverståndlichen Schicksals in stillen Klageliedern zu beweinen. „Wåre ich ein Deutscher - und ich bin kein Deutscher, siehe Riilis, Fiers u.a.“, heiBt es voll Sarkasmus in einem Brief Heinrich Heines, der in jenen Jahren den Almansor dichtete, den Rabbi von Bacharach konzipierte und in selnem Gedicht „An Edom“ der jahrtausendealten Tragik erschiitternden Ausdruck verlieh21* Am char akter istis chsten fur diese Gruppe erscheint der „Paria4 c des Michael Beer, diese vom Leben zertretene, von den Qualen der Verfolgung zerrissene, von Gott verfluchte und von den Menschen verdammte, hilflose Kreatur, die nichts anderes tun darf und kann als das Geschiek ihres ungliickseligen Stammes zu beklagen und die keine andere Erlosung findet als den tausendmal ersehnten Tod. Dieser Gruppe, die selbstqualerisch und leidend den groBen Judenschmerz erlebte und unsicher und zerrissen zwischen Deutsehtum und Judentum schwankte, stand eine zweite Gruppe gegeniiber, die ohne inneren Bruch das Judentum verlieB und den Ubertritt zum Christentum mit vollster Hingabe vollzog. Ihre Wortfiihrer, Stahl und Neander, sind nur die begabtesten Exponenten einer Richtung, in der sich die verschiedensten Elemente und Charaktere begegneten. Es ist in unserem Zusammenhang gleichgxiltig, daB beide dem Christentum neuen Aufschmmg gaben und ilim neue Wege in die Zukunft wiesen. Wichtig fur uns ist nur, daB es ihnen gelang, ohne jeden bewuBten KompromiB den tibergang zur andern Kultur zu vollziehen, und daB das protestantische Christentum in ihnen die Kraft gewann, ihr Wesen zu gestalten, ihr Dasein zu beherrschen, ihre wissenschaftliche und offentliche Tatigkeit 21 Ygl. Georg J. Plotke, Heinrich Heine als Dichter des Judentmns. 1913.

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