Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Der literarische Kampf um die Emanzipation in den Jahren 1816-1819
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 660 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2829132-2830039-2830041-2850813--56337-2851487- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
660 Selma Sara Tåubler-Stern bfirgerlichen und kulturellen Emanzipation mit den Ideen der Zeit in Einklang standen, so sah sich die jetzige Generation vor Aufgaben gestellt, von denen die frtiheren Geschlechter noch nichts wuBten. Wenn Mendelssohn die jfidische Religion mit der Religion der Vernunft, die jfidischen Walirheiten mit den ewigen Wahrlieiten verbinden konnte, so war es jetzt nicht mehr mftglich, den jfidischen Gottesbegriff mit dem Gottesbegriff der Romantik in Uberemstimmung zu bringen oder eine Einheit herzustellen zwiscben dem auf allgemeinen Vernunftgesetzen basierten Judentum der Aufklarung und dem individuell eigentfimlichen Christentum Schleiermachers, das ,,mit Vernunft nichts mehr zu tun hattec<. Trotz aller Schwierigkeiten hat auch diese Generation versueht, eine Losung der Erage zu finden und sich mit dem Problem von Judentum und Deutschtum auseinanderzusetzen. Die erste Emanzipationsgeneration konnte bei der Gleichartigkeit ihrerWelt- und Lebensanschauung in einer festverbundenen Kameradschaft zusammenstehen. Der Name ,,Der Sammler", den sie ihrer ersten Zeitschrift gaben, deutete symbolisch die Gemeinsamkeit ihrer Ideale und die Einheitlichkeit ihres Woliens an. Aber die Entwicklung ging rasch fiber diesen Kreis hinaus, und eine neue Generation muBte in verscliiedene Richtungen auseinandergehen, als sie versuehte, sich mit dem Problem einer jfidischen Existenz, die ihnen nicht mehr eine selbstverstandliche Gegebenheit war, auseinanderzusetzen. Auf dem einen Weg sehen wir eine Gruppe aufierst geffihlsbestimmter Månner und Erauen, deren Wesen nicht mehr durch das Judentum, sondern durch die Bildung der Umwelt geformt worden war. Mochten sie wie Rahel Varnhagen, Dorothea Schlegel und Heinrich Heine die verlassene und traurige Synagoge mit der besuchten und freudigen Kirche vertauscht haben oder Juden geblieben se in wie Michael Beer: gemeinsam war ihnen das leidenschaftliche Erlebnis der klassischen und romantischen Literatur, hinter dem das Judentum in wesenlosem Schein versank. Diese Hingabe war so grenzenlos, das Geffihl des Befreitseins von langem Druek so aufwfihlend und erschfitternd, daB sie die Juden-