Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Der literarische Kampf um die Emanzipation in den Jahren 1816-1819
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 651 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2829132-2830039-2830041-2850813--56328-2851478- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Der literarische Kampf um die Emanzipation in den Tahren 1816-1819 651 Flir die Generation der Romantik dagegen, die in Marchen und Legende, in Sage und Geschichte dasWerden des Volksgeistes verfolgte und in jeder Erscheinung das Einmalige, durch Sprache, Landschaft, Stamm und Staat, Recht und Sitte Eigentumliche aufspiirte, war das Wesen des Judentums ein besonderes, mit dem besonderen Wesen des Deutschtums schwer zu verbindendes Element. Wenn man, wie Burke, den Staat als eine Gemeinschaft zwischen denen, welche leben, denen, welche gelebt haben und denen, welche noch leben sollen, auffaBfc, oder wenn man, wie Achim von Arnim, in dem Teilhaben an der gemeinsamen Vergangenheit und ihrer Uberlieferungen ein alle Schichten des Volkes verbindendes und alle Kliifte iiberbruckendes Moment der Einheit sah, so gab es in dieser Gemeinschaft fur den Juden keinen Platz mehr13. Der absolutistische Staat, der es nicht fur notwendig gehalten hatte, ,,die Glaubenseinheit der Untertanen als Klammer des Untertanengehorsams zu gebrauchen“ (Meinecke), konnte die jiidischen und die christlichen Untertanen gleichberechtigt nebeneinander bestehen lassen. Der clrristlich-germanische Staat dagegen, der jede sittlichreligiose Erneuerung nur durch das Christentum erhoffte und in dem sich die Burschenschaft als die neue christliche Ritterschaft betrachtete, die ausersehen war, alle unchristlichen Elemente zu vernichten14, konnte seinem innersten Wesen nach weder den jiidischen Beamten noch den judischen Offizier in seinen festgeschlossenen Reilien dulden. Der merkantilistische Staat hatte die Ansiedlung der Juden unterstiitzt, weil er in ihnen einen auBerhalb der ståndischen Ge- 13 0. Schmitt-Dorotic, Politische Theorie und Romantik (Hist. Zeitsclir. Bd. 128). - E. Rothacker, Savigny, Grimm und Ranke (Hist. Zeitschr. Bd. 128). 14 P. Wentzcke, Geschichte der deutschen Burschenschaft. 1919. - O. F. Scheuer, Burschenschaft und Judenfrage. 1927. — C. Brinkmann, Der Nationalismus und die deutschen TTniversitåten im Zeitalter der deutschen Erhebung (Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. 1931/82. 3. Abh.).