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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 587

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Jüdische Geschichtsschreibung
Date
1939-01-01
Page
Seite 587 (sequence 6)
Language
German
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IRI
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Jüdische Geschichtsschreibimg 587 lange Zeit unangreifbaren Kern in Lehre- und Lebensverfassung zurückzuziehen, wenn es eine andere Form der Selbstverteidigung nicht gab. Auch hier ein Beispiel: Im Grunde war und ist der Zug zum System im Judentum so wenig vorhanden wie in der römischen Jurisprudenz. Und es verlangt nach einer Erklärung, die in diesem Falle auch gegeben werden kann, welche Umstände außen und innen die halachischen Systeme der spät-gaonäischen Zeit, des Rambam und des Joseph Karo hervorgetrieben haben (wobei das Bewußtsein immer dafür wach blieb, daß es sich um Hilfsmittel handelt und nicht um letzte Darstellungen). So vielfältig die Punkte und Gegenstände waren, in denen das Judentum getroffen wurde, so mannigfach waren die Methoden, die es anwandte. Sie reichen vom kriegerischen Angriff, von der militärischen Verteidigung bis zum ״Totschweigen“ des Gegners, das eben nicht nur ein literarisches war, sondern seine Entsprechung in dem tatsächlichen Verhalten hatte. Der Einwand, der hier und überhaupt erhoben werden kann, daß wir mit all dem die Geschichte verlassen und eine Literatur- oder Buchgeschichte bezwecken, ist nicht richtig, nicht nur, weil Schrift, Buch, literarischer Ausdruck zuweilen das einzige historische Auskunftsmittel sind, sondern weil sie im Judentum viel dichter mit dem Leben Zusammenhängen, als das anderswo der Fall sein mag. In Wirklichkeit haben wir hier den Rahmen einer Kulturgeschichte im Auge, in der die kulturelle Auseinander- Setzung mit der morgen- und abendländischen Geschichte erscheint. Kulturgeschichte aber hat nach einem Wort von Jakob Burckhardt , ,primum gradum certitudinis4 4. Es darf bezweifelt werden, ob das jüdische Volk seinen Gegner immer richtig begriffen, in seiner ganzen Macht und in seinen Anlagen erkannt hat. Zuweilen scheint der Schleier einer manchmal wohltätigen, manchmal heillosen Unwissenheit es daran gehindert zu haben. Es ist z. B. zweifelhaft, ob das Judentum eine klare Einsicht in den kunstvollen Aufbau des persischen Staates gehabt hat, und wir dürfen es als sicher annehmen, daß es an manchem fremden Ausdruck von Gestalt und Schönheit achtlos vorübergegangen ist. Wofür es aber — und nicht nur einzelne im Juden-

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