Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Jüdische Geschichtsschreibung
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 585 (sequence 4)
- Language
- German
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Jüdieclie Geschichtsschreibung 585 der Kampf um das Sein als ein Kampf um das Wesen geführt, und die Behauptung in diesem führte das Gelingen in jenem mit sich. Vor den Toren von Ur, an den Grenzen von Ägypten, mit dem Eindringen in die syrischen Völkergruppen — von Anfang an hatten es die Israeiitea mit Völkern zu tun, deren materielle Kultur ihnen überlegen war. Sie haben ihr, nach allem, was wir wissen, kaum etwas hinzufügen können und sich von ihr manches angeeignet, soweit sie überhaupt mit ihren ärmlichen Mitteln dazu imstande waren. Sie haben als junge Kraft, die sie waren, mit vielen dieser Stämme und Völker gekämpft, in einer der windstillen Zeiten des Vorderen Orients ein Königtum errichten können und schließlich ihre Selbständigkeit an die Euphratländer verloren. In diesen Jahrhunderten haben sie gleichzeitig einen Kampf um ihre geistige Selbstbehauptung geführt gegen Mythos, Götterdienst und eine ihnen überlegene Stadtkultur. Es ist eine legitime, noch am Anfang stehende Aufgabe, an der Archäologie und Religionsgeschichte in der vordersten Linie beteiligt sind, festzustellen, was sie in diesem bewegten Prozeß übernommen und verwandelt haben. Unberührt aber von dem Ergebnis bleibt die Feststellung, daß hier eine er־ staunliche Leistung vollbracht worden ist. Das kleine Volk der Israeliten und Juden hat es fertiggebracht, die Welt des Vorderen Orients unter einem ,,Begriff“ zusammenzufassen und in seinen Völkern den gleichen Gegner anzuschauen. Nun ist mit Recht dagegen protestiert worden, das Heidentum zu massiv zu nehmen, seine Vielgestaltigkeit und anziehende Größe in ein generalisierendes Schema zu entleeren. Schließlich hatten es die Juden nicht mit einem Begriff zu tun, sondern mit Gegenständen des täglichen Gebrauchs, mit einer entwickelten Kunst, mit Tempeln und Gräbern, mit Festen, Opfern und Liedern. Wenn die Bibel mit all den Realien, die sie bietet, ganze Völker und Kulturen zuweilen in einigen mythischen Zügen und mit einigen typischen Bildern zusammen־ rafft, sie gleichsam versteinert präsentiert, so erkennen wir darin die Methoden eines religiösen Kampfes, der in Wirklichkeit nicht in solchen Abbreviaturen vor sich ging. Aber diese Feststellung