Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Jüdische Geschichtsschreibung
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 584 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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584 Max: Israel Genien ewald schied, daß die gnadenvollen Ausblicke wegfallen und daß alle die persönlichen und gemeindlichen Impulse fehlen, die mit der Anerkennung des göttlichen Regiments auftreten. Es kann nun nicht im Ernst unsere Absicht sein, einer Ge- Schichtsmetaphysik zuliebe, die sich von ihrem realen Substrat entfernt, den Blick zu verhängen vor all den Gegenständlichkeiten, mit denen jüdische Geschichte verflochten ist; im Gegenteil, es gibt in ihr bestimmende, aber unserer Entscheidung entrückte Faktoren, die eher eine schärfere Betonung verdient hätten, als ihnen in jüdischen Geschichtswerken zuteil geworden ist: Wie groß ist die Bedeutung der Verkehrswege für die Richtung der jüdischen Wanderung gewesen. Am Ende des 15. Jahrhunderts z. B. sah es nach einer Wiederbelebung Palästinas aus. Eine Neuorganisation der Gemeinde war dort im Gange, nach dem französischen Gerusch waren viele Rabbiner in das Land eingewandert. Der Aufbau und der Einfluß von Obadja di Bertinoro machte sich geltend. Nach der Vertreibung aus Spanien waren Kaufleute in das Land gekommen, Menschen mit Phantasie, wirtschaftlichem Können und kommerziellen Verbindungen; aber die Entdeckung Amerikas, die Auffindung neuer Seewege entschied gegen Palästina, das einmal mehr in das nur von der Kabbala erleuchtete Dunkel der Geschichte zurückfiel. Die Forderung, die rechtlichen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Formen an den verschiedenen Schauplätzen der jüdischen Existenz zu begreifen, die politischen Bedingungen ihrer jeweiligen Positionen kennenzulernen, wird der jüdischen Ge- Schichtswissenschaft nicht mehr verloren gehen. Aber es verbietet sich einem so komplexen Gegenstand gegenüber die Anwendung einer einseitigen Methode, mag sie noch so umsichtig gehandhabt werden in der Herbeischaffung und Sicherung eines umfassenden Materials. Um es positiv auszudrücken: Es gibt in der jüdischen Geschichte auch unabhängige geistige Entscheidungen, die nicht aus sozialen und politischen Faktoren einfach abzuleiten sind, die den jüdischen Weg mitbestimmt haben und an seinen geschiehtliehen Anfängen bereits erkennbar sind. Nicht einmal nur wurde