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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 580

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Religionsphilosophie und Religion
Date
1939-01-01
Page
Seite 580 (sequence 13)
Language
German
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5 80 Max Israel Wiener arbeitung des Vernunftswesens gesehen wird, wird es verständlich, daß dem Gesetz, worin das ethische und rechtliche Handeln eingeschlossen wird, die bloße Ordnung des gesellschaftlichen Daseins zukommen soll; es ist das Mittel zum eigentlichen Daseinsziel, das die Auslese des Einzelnen verwirklicht. Diesem Gesamtplan fügt sich auch die Lehre von der Prophetie. Wird in der biblischen und erst recht in der rabbinischen Auffassung der Ton auf die volksbelehrende Funktion der göttliehen Sendung gelegt, so hier auf die Denkstufe, auf der die Propheten im allgemeinen und Mose, ihr Meister, im besonderen stehen. Zwar ist der Prophet auch der Lehrer, der den göttlichen Willen kündet, aber er erweckt vor allem Interesse um seiner persönlichen Bedeutung willen. Er ist kraft seiner näheren oder ferneren Stellung zürn Göttlichen eine besondere religiöse Individualität, nicht so im Hinblick auf das Verkünden, sondern auf das Haben der Wahrheit. Die überall durch den religions-philosophischen Standort hindurchscheinende Stufenordnung des Neuplatonismus drückt sich in dieser Überhöhung der gemein-menschlichen durch die prophetische Ebene aus. Der Weise, der Theologe, nimmt seinen besonderen Platz durch die kraft Anlage und Vernunftstreben gewonnene Erkenntnis ein. Über ihm stehen die Propheten mannigfachen Ranges. Diese Linie wird im intelligiblen Reich der höheren Geister fortgesetzt als eine ins Übersinnliche hineingetragene Ordnung des Geistigen überhaupt. Man darf das ansehen als Ausdruck eines Individualismus besonderer religiöser Bedeutsamkeit. Es ist ein eigenartiges Stehen vor Gott, das je nach dem Grade der sich verwirklichenden Denkkraft den persönlichen Wert des Denkwesens bestimmt. Das alles soll auf der national partikularistischen Frömmigkeit der überkommenen Offenbarungslehre ruhen, scheint aus ihr herausgewachsen, in dauernder Hinkehr zu ihr ein organisches Bestandstück der ererbten Vorstellungswelt zu sein. In der Tat handelt es sich aber um Neuschöpfung. Der Philosoph würde diese Unebenheit wohl damit auszugleichen suchen, daß er sagte: Israels Vorzug besteht in der ihm zuteil gewordenen reinen Wahrheit. Dieses

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