Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Religionsphilosophie und Religion
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 579 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Religionsphilosophie und Religion 579 der. Denkendes Erkennen aber als der Sinn menschlicher Existenz sieht vor allem das Einzelwesen. In der rabbinischen Religion ist jedem die Freiheit des Wollens gegeben, das Gebot zu erfüllen. Es handelt sich nicht so sehr um eigengeartete Persönlichkeiten, die je kraft ihrer Besonderheit vor Gott stehen als um eine Unterschiedenheit gemäß der mehr oder minder vollkommen geglückten Ausführung des Gesetzes. Auch wer es mit der Mahnung völlig ernst nimmt, die Tora als Herzenspflicht zu bewähren, wird doch durch das eine für alle gleiche Gesetz geformt. In der Sphäre der Denkgläubigkeit verschiebt sich das. Wie in der Welt der Sphären der höhere Geist nicht mehr erkennt, sondern die Wahrheit sich ihm in anderer angemessenerer Weise entschleiert als einem niederen, so heben sich die mannigfachen Gruppen der Menschen voneinander ab. Sie drängen sich nach Maimunis Gleichnis um den Königspalast, nur wenige gelangen in seine Mauern, und die kleinste Zahl wird der Gnade gewürdigt, das Antlitz der Majestät zu schauen. Ist rabbinische Haltung demokratisch, jedem die Möglichkeit vollgültiger Frömmigkeit zugestehend, so nimmt die religionsphilosophische jene aristokratische Tradition auf, die von Aristoteles über die Stoa und den Neuplatonismus in die arabische Philosophie mündet. Sie gründet sich psychologisch darauf, daß die Anlagen der Menschen für Vervollkommnung nun einmal unter der Regel der Ungleichheit stehen. Wo die am Gesetz allein interessierte Betrachtung unermüdlich die Güte Gottes preist, der allen, die güten Willens sind, die Pforte zur Seligkeit weit auf tut, da wird hier die Ungleichheit vom Psychologisch -Faktischen ins Eschatologisch-Ewige hineingetragen. Denn so muß man offensichtlich jene Unsterblichkeitslehre verstehen, die den Genuß der Seligkeit von dem erlangten Grad der Erkenntnis abhängig macht. Jetzt dient das Gesetz nur als Vorbereitung dazu, durch Zähmung der natürliehen Begierden der Denkkraft ungestörte Tätigkeit zu sichern. Idealmensch ist der fromme Weise geworden. Seine Seltenheit wird dabei in Kauf genommen. In Abkehr von rabbinischer Gemein- Schaftsreligion bestimmt sich die Haltung zur Menge ähnlich wie in der Mystik. Wenn der Sinn menschlichen Lebens in Heraus-