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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 572

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Religionsphilosophie und Religion
Date
1939-01-01
Page
Seite 572 (sequence 5)
Language
German
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572 Max Israel Wiener anzusinnen. Schließlich kann auch er nur durch gedankliche Überlegung zeigen, daß der Anspruch der Vernunft im Gebiete der religiösen Dinge eine Überhebung sei. So ist also das Denken der Weg, um das Ganze der göttlichen Mitteilung auszuschöpfen und ihren reinen Gehalt vor trübenden Einflüssen fehlgehenden Forschens oder falschen Glaubens sicherzustellen. Offenbarung aber ist für den religionsphilosophischen Geist nach zwiefacher Richtung hin zu verstehen. Sie ist einmal Verkündigung von allgemeiner Gültigkeit, Quelle der Wahrheit von Gott und göttlichen Dingen, theologische Metaphysik und so ihrem Inhalt nach für jeden Menschen lebenswichtig, auch für den, dem das Gotteswort nicht zugänglich ist. Hier entfaltet sich für die Vernunft die Aufgabe zu erläutern und verständlich zu machen. Und sie ist zugleich ein hic et nunc wirklich gewordenes Faktum, ein geschichtliches Ereignis, das, alle anderen Ereignisse des Weltgeschehens überhöhend, für das jüdische Volk den sein eigentümliches Dasein begründenden Sinn hat. Indem das eine oder das andere Moment stärker betont wird, ergibt sich eine je verschiedene Grundhaltung. Universalistische wie partikularistische Tendenz, im israelitischen Geist seit der Frühzeit der Prophetie heimisch, setzt sich auf dem religionsphilosophischen Boden fort. Die prophetische Verkündigung hatte die eine Wahrheit von dem einen Gott schlechthin gespendet, aber sich an Israel allein gewandt. Die Bibel erhebt für das in ihr enthaltene Gotteswort den Anspruch auf ausschließliehe Geltung. Die Götter der Völker sind Nichtse, wenn auch sittliches Gefühl außerhalb der eigenen Volksgrenze stets anerkannt und sogar eine religiöse Empfindung, in aller Menschheit zu Hause, kaum bestritten wird. Aber was bedeutet es praktisch, daß der jüdische Stamm allein im Besitz der vollen, ihm von dem einzigen Gott ausdrücklich verliehenen Erkenntnis war? Die Religionsphilosophie fühlte es als ihre wichtigste Aufgabe, den theoretischen Gehalt der Offenbarung, das Wissen um Gott, sein Wesen und seine Wege mit den Menschen in mühevoller Forschung zu verdeutlichen und darzubieten. Hier fand sie die Beziehung zu fremder Weisheit, die sie zur Aufhellung

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