Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Religionsphilosophie und Religion
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 569 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Religionsphilosophie und Religion 569 schon als Faktum den Menschen auf, sich ihrer durch den Gebrauch seiner Geisteskräfte zu bemächtigen. Und trat das Gottes wort mit dem Anspruch auf, durch seine Wahrheit den Menschen zu leiten, so mußte dieser Anspruch gegenüber anderen Meinungen, die Widerstreitendes lehrten und doch Gehorsam heischten, klargestellt werden. Daß in all dem eine rechtmäßige Beziehung zum Wahrheitsuchen schlechthin, zur Philosophie, liegt, leuchtet ein. So wird verständlich, wie ausgebildete Lehrstücke des arabisch-islamischen Denkens, die sich selber wieder an antike Ideen anlehnten, für die eigenen Zwecke genutzt wurden, und wie man selbständig zu einer methodischen Handhabung begrifflichen Ableitens gelangte. Aber Beziehung ist nicht Wesensgleichheit. Daß hiervon Philosophie im griechischen wie im modernen Sinne nicht die Rede sein kann, liegt auf der Hand, da diese geistige Haltung stets auf Offenbarung orientiert bleibt. Daran vermag auch entschiedenster Vernunftglaube nichts zu ändern» Denn mag der Lehrgehalt des Ursprungliehen Gotteswortes sich für den menschlichen Geist auch einsichtig erweisen: die von oben her wunderbar gespendete Erleuchtung bestimmt das Leben der Menschen; nie wird sie im Haushalt des Weltseins als überflüssig erachtet. Und zur theoretischen Lehre, zur Gottes- und Welterkenntnis tritt das Bewußtsein von der Be- Sonderheit der eigenen, der jüdischen Existenz. Mit den Gedanken von der Erwählung Israels durch Gott und von der Stiftung des einzigartigen Bundes Verhältnisses zwischen dem Ewigen und seinem Volke ragt ein gewaltiger, für die vernünftige Einsicht kaum auflösbarer Block in das Dasein des Juden hinein. Von den biblisehen Propheten her über Talmud und Midrasch war der unbefangene Geist immer wieder darauf gedrängt worden, eine vernünftige, das wollte besagen, eine mit der göttlichen Gerechtigkeit übereinkommende Erklärung für dieses Wunder aller Wunder zu geben, das als Tatsache im Grunde des jüdischen Seinsgefühls verankert war. Es ist klar, daß die auf solchen Geschichtsverhalt sich erstreckende Überlegung in einer anderen Ebene von Vernunftbemühung verlaufen mußte als das metaphysisene Suchen nach dem