Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Religionsphilosophie und Religion
- Date
- 1939-01-01
- Page
- 568 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Religionsphilosophie und Religion Von Max Israel Wiener Als im 19. Jahrhundert die historische Ergründung und Würdigung des Judentums einsetzte, wurde für einen bestimmten Ausschnitt seines geistigen Lebens die Bezeichnung ,,Religionsphilo- Sophie“ gewählt. Es schien aber keinen wesentlichen Unterschied in der Behandlung dieses Gegenstandes zu bedingen, wenn man allgemeiner auch von einer ,,Philosophie des Judentums“ oder von ״jüdischer Philosophie“ sprach. Im einen wie im anderen Falle lag das Schwergewicht darin, daß man philosophische Geisteshaltung verstehen wollte. Es drängte sich unwillkürlich wohl bisweilen das Gefühl auf, daß die mittelalterlichen Denker oft sehr weit von den religiösen Grundlagen des Judentums abgetrieben wurden. Aber das Interesse, das man an diesem Wandel nahm, war selber ein philosophisches, von der Eigenkraft logischer Begriffe und Folgerungen geleitet. Die Frage, ob und in welchem Grade diese ,,Philosophie“ selber zu einer eigenen Religion, zu einer besonderen Stufe innerhalb der Geschichte des jüdischen Glaubens erwuchs, trat in den Hintergrund. Diese Stellungnahme hat ihr gutes Recht. Sie paßt sich der bewußten Absicht jener Bemühungen an, daß die ererbte Offenbarungslehre vor der eigenen Vernunft wie vor den Angriffen auswärtiger Gegner gerechtfertigt werden müsse. Auf welchem Felde sollte dieser Kampf ausgefochten werden, wenn nicht auf dem allgemein einleuchtender philosophischer Sätze % Die Religions- Philosophie ist ja als Apologetik entstanden — als Apologetik nach innen und außen. Denn auch da, wo sie die überkommenen Vor- Stellungen des eigenen Kreises läutern und vergeistigen wollte, war sie von der kritischen Vernunft zu diesem Unterfangen genötigt. Von dem Grunde der Offenbarungsgewißheit hat sie sich nie losgelöst. Indem ihr die Offenbarung selber eine geschichtliche durch wohlbeglaubigte Tradition verbürgte Tatsache war, forderte sie ja