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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 566

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Das Gebet als Äußerung und Einfühlung
Date
1939-01-01
Page
Seite 566 (sequence 5)
Language
German
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566 Abraham Heschel häufig das Mißverhältnis zwischen dem Ausdrucksverlangen und den Ausdrucksmitteln wie im Gebet. Die Unangemessenheit der verfügbaren Ausdrucksmittel erscheint so greifbar, so tragisch, daß man es als Gnade empfindet, in der Richtung umkehren zu können: sich den gegebenen Worten zu überlassen, sich von ihnen abhängig zu machen und aus ihren Quellen zu zehren. Es ist kein Ersatz und keine Untreue zu sich selbst. Denn das Wort ist keine Äußerlichkeit, die man nachzuahmen, sondern eine Urkraft, die man sich anzueignen hat, und die Erzeugung der Empfindung durch das Wort ist nicht weniger elementar als die Erzeugung des Ausdruckes durch die Empfindung. Was das Wort nicht mehr hergeben kann, leistet der Mensch durch die Fülle seiner Ohnmacht. Je tiefer die Not, in die man durch diese Ohnmacht versetzt wird, desto mehr offenbart sich der Mensch in seiner Wesentlichkeit und wird selbst Ausdruck. Beten ist mehr als Mitteilung, und der Mensch ist mehr als das Wort. Entscheidend bleibt das Verhältnis des Bewußtseins zum Gesprochenen. Der Stufen sind mehrere: die leidenschaftslose Bejahung des Inhalts, die innere Bezeugung seiner Wahrheit, die strebende Neigung nach seiner Erfüllung, die erregende Vergegenwärtigung seiner Folgen, die kontemplative Bewunderung seiner Bedeutung bis zur Inhärenz der Person im Sinngehalt. Echtes Beten ist also kein Reden, sondern ein Geschehen. Es ist dann so, daß der Mensch durch sein Wissen nicht erfaßt, was mit ihm vorgeht. Der Beginn liegt diesseits, das Ziel aber jenseits des Mittelbaren und Unmittelbaren. Das Ziel mag nicht stets zu erlangen sein, aber der Ort, wo Beten sich zuzutragen pflegt, ist der Grenze der Sphären nahe. Die Wege dorthin sind in den Gebetsworten angezeigt und überliefert, die Angaben über das Ziel, seinen Bereich und seine Beschaffenheit, sind weder recht beschreibbar, noch wäre ihre Mitteilung eine Hilfe. Nicht als Gebrauch des Wortes als einer menschlichen Äußerung, sondern als Feier des Wortes als einer heiligen Gegebenheit vollzieht sich der kultische Dienst des Betens, die Awoda des

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