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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 567

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Das Gebet als Äußerung und Einfühlung
Date
1939-01-01
Page
Seite 567 (sequence 6)
Language
German
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IRI
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Das Gebet als Äußerung und Einfühlung 567 Herzens. Vor dem Antlitz Gottes schämt der Mensch sich, Erlebnisse, Empfindungen aufzubringen; diese Hemmung überwindet er nur selten. Was er am ehesten vermag, ist, die Substanz des Wortes mit aufgerüttelter Aufmerksamkeit und Ausrichtung aufzufangen und mit Zittern darzubringen. Die Kraft, die aus den Worten strömt, vereinigt sich mit der elementaren Kraft, die aus dem Gedächtnis steigt. Die Einsichten in die Wege des Lebens, die Erfahrungen mit der Wirklichkeit Gottes in der Welt, setzen sich um in Gebet. Das Ich mit seinen Erlebnissen ist unentbehrlieh, aber ohne die Hilfe des Wortes ohnmächtig. Die Objektivierung des Subjekts, das Ausgehen von einem geistigen Gehalt, die Überwindung des allzu Persönlichen, die Ahnung der Möglichkeit, seine Bedürfnisse in Gott münden zu lassen, Ihn meinen: das ist Gebet. Denn Beten heißt letztlich Gott verstehen, die um ihn kündenden Worte verstehen. Im Beten vollzieht sich häufig eine Steigerung seelischer Zustände. Ein Gedanke wird zu einem Wunsch, ein Wunsch zu einem Verlangen, ein Verlangen zu einer Forderung, eine Forderung zu einer Erwartung, eine Erwartung zu einer Vision. Diese Stufen stellen Grade der persönlichen Einstellung und zugleich der objektiven Wirklichkeit dar. Beten heißt, an ein Wort fassen, an den Endpunkt einer Schnur, die gleichsam zu Gott führt. Je größer die Kraft, um so höher ist der Aufstieg an dem Wort. Beten heißt aber auch, daß der Widerhall des Wortes wie ein Senkblei in die Tiefe der Person fällt. Je reiner die Bereitschaft, um so tiefer dringt das Wort.

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