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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 564

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Das Gebet als Äußerung und Einfühlung
Date
1939-01-01
Page
Seite 564 (sequence 3)
Language
German
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564 Abraham He&chel Worten zu. Das Erlebnis in ihm ist noch nicht erwacht und regt sich erst am Wort, das in seinem Reichtum, Schwung und Geheimnis immer mehr zum Vorschein kommt. Auf dem Wege zum Wort, an seinem Abhang und Rücken reift dann das Gebet, läutert sich der Mensch zum Betenden. Der Bewußtseinsinhalt und der Text des Gebets, die Bewegtheit im Menschen und die potentielle Energie des Wortes sind niemals kongruent. Die Spannung, die sich aus dem Mißverhältnis zwischen Erlebnis und Ausdruck ergibt, das Fehlen einer Kongruenz von Person und Wort, liegt wie ein Hindernis, wie ein Anstoß da, der Gegenkraft erregt. Der Mensch steht vor den Worten des Gebets, er merkt, wie ihre innere Potenz die aktuelle Kraft seines Bewußtseins überragt, er weiß um ihren Sinngehalt, um den ausgedehnten Zug ihrer Bedeutungen, in die er eindringen möchte, um sie zu erfahren, um sie zu spüren, um ihrer als Ausdruck in ihm schlummernder Ahnungen habhaft zu werden, um in ihre geheimnisvolle Tiefe einzudringen. Der Weg in das Wort bahnt sich mühsam an, das Vordringen durch die Aneignung der sich darin bergenden Bedeutungen ist aufregend und versetzt den Menschen in heftige Bewegung. Durch das Erhaschen der Bedeutungen erwachen verschüttete Kenntnisse, längst vergessene Einsichten und Empfindungen. Aber dann, auf der Höhe des Wortes, glüht das innere Licht reiner, und die Stille läßt den Menschen die verklungene Stimme des Wissens, des Gewissens, der Seele und der Welt vernehmen. In der Einfühlung in das Gebetswort, im Zusammenprali mit dem Gegenstände Wort, ist das Wort der Meister und der Mensch der Empfänger. Der Betende ergreift nicht auf einmal Besitz vom Wort. Das Beten spielt sich ab als allmähliches, von Wort zu Wort, von Gedanke zu Gedanke und von Empfindung zu Empfindung vortretendes Tun. Es vollendet sich nicht im Nu, es bewegt sich nicht auf gerader Ebene, sondern drängt vor durch Tiefen und Höhen, durch Um- und Nebenwege. Die eigenartige Aktion der intensiven Einfühlung in das Wort fehlt in der gewöhnlichen Mitteilung. Wenn es auch vorkommt,

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