Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 554

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Maimon und Cohen
Date
1939-01-01
Page
Seite 554 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2830039-2830041-2850806--56247-2851404
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

554 Hugo Bergmann Gegebenheit durch Denkbestimmungen, macht wohl am ehesten die starke Übereinstimmung der beiden Denker verständlich. In einem Punkte freilich beruft sich Cohen direkt auf eine wichtige Tradition aus der kantischen Zeit, die auch Maimon teilt: die Identität der intensiven und der unendlich Meinen Größe sei, sagt Cohen (Inf. § 18), zu Kants Zeiten eine allgemeine Annahme gewesen. Maimon selbst gebraucht den Ausdruck ,,intensive Größe"4 in diesem Sinne (z. B. Tr. S. 120, 394) und erMärt, die extensive Größe sei gleichsam das ,,Schema“ der intensiven Größe. Schema bedeutet in Maimons Sprache so viel wie sinnliches Gleichnis, ein Abbild niederer Art. So wie Leibniz den Menschen in Anlehnung an die Genesis simulacrum divinitatis nennt, so nennt Maimon den menschlichen Verstand ein ,,Schema“ des göttlichen6. In diesem Sinne also nennt Maimon die extensive Größe ,,gleichsam das Schema der intensiven Größe, indem diese und ihre Verhältnisse nicht an sich unmittelbar, sondern bloß vermittels jener wahrgenommen werden kann, wie z. B. die verschiedenen Grade der Wärme und Kälte durch das Steigen und Fallen des Thermometers, u. dergl. . . . Die intensive Größe ist das Differential der extensiven, und diese wiederum das Integral von jener“ (Tr. 122). Das dx geht also logisch dem x voran. In dieser Identifizierung des Differentials mit der intensiven Größe herrscht volle Übereinstimmung zwischen Maimon und Cohen. An dieser Stelle muß jedoch der Einwendungen gedacht werden, welche Bertrand Russell7 gegen Cohen (und damit gegen Maimon, den er nicht kannte) erhoben hat, und die, wenn sie richtig wären, den Betrachtungen der beiden über das Differential jeden Boden entziehen würden. Russell wendet sich zunächst gegen Cohens Gleichsetzung von intensiver und infinitesimaler Größe — ein Einwand, der im Grunde bloß terminologisch ist, und auf den ich daher nicht eingehen will — aber vor allem gegen ein angebliches Mißverständnis der Symbole dx und dy. Nur das Symbol habe eine Bedeutung (die ihm durch das bekannte 6 Siehe mein Buch über Maimon S. 24. 7 B. Russell: The Principles of Mathematies, 1903, p.338ff.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.