Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Maimon und Cohen
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 552 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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552 Hugo Bergmann Wenn z. B. Kant in den Prolegomena § 13 das Beispiel der Unter- Scheidung von rechts und links bringt, um zu zeigen, daß wir ,,den Unterschied gleicher, aber doch inkongruenter Dinge (z. B. widersinnig gewundener Schnecken) durch keinen einzigen Begriff verstündlich machen, sondern nur durch das Verhältnis zur rechten und linken Hand, welches unmittelbar auf Anschauung geht“, daß also der Verstand vor der Anschauung als einer Instanz eigenen Rechtes kapitulieren muß, würde Maimon verlangen, daß die Bemühungen um die intellektuelle Bewältigung des anschaulichen Inhaltes weitergehen müssen, wie dies in der modernen Mathematik geschehen ist. Die Forschung könnte sich erst beruhigen, wenn sie — was freilich unmöglich ist — die sinnliche Gegebenheit ganz ausgeschaltet hätte, und zum intellektuellen Differential vorgedrungen wäre. ״Für den Verstand gibt es also keine Sinnlichkeit, keine Anschauung, welche für die Sinne und die Einbildungskraft gehören, sondern bloß Ideen und Begriffe . . . Der Verstand unterwirft nicht etwas a posteriori Gegebenes seinen Regeln a priori; er läßt es vielmehr diesen Regeln gemäß entstehen, welches, wie ich meine, die einzige Art ist, die Frage quid juris? auf eine völlig befriedigende Weise zu beantworten“ (Tr. 82). (Zu dieser Stelle bemerkt Kroner4: Maimon verkünde hier das Programm der Wissenschafts lehre.) Diese Lehre von den Differentialen ersetzt bei Maimon die Funktion, welche das Schematismuskapital bei Kant erfüllt. Es bedarf für Maimon keines Überganges zwischen Verstandesform und gegebenem Inhalt, denn der Inhalt ist in Wahrheit gar nicht denkfremd, das Differential ist ein Relationsgefüge von Verstandesformen. Maimon vergleicht (Tr. 353 und K. U. 213) das Differential mit der absoluten Einheit der reinen Arithmetik. In der angewandten Arithmetik, bei der Messung in Raum und Zeit, ist jede Einheit nur provisorisch, weil selbst wiederum teilbar. Die Einheit der reinen Arithmetik dagegen ist nicht teilbar. So ist auch das Differential echte Einheit. Sie geht den quantitativen Beziehungen, 4 Kroner, Von Kant zu Hegel, 1921, I S. 533.