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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 551

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Maimon und Cohen
Date
1939-01-01
Page
Seite 551 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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Maimon und Cohen Ö51 der Einbildungskraft nach rückwärts zu verfolgen und auf die Verhältnisse der zugrunde liegenden Differentiale zurückzugehen. Diese Auffassung wird von der Mathematik auf die Physik übertragen. Die physikalischen Gesetze sind nur für unsere durch die Endlichkeit bedingte Einbildungskraft Gesetze in Raum und Zeit. ״Wenn man urteilt: Feuer schmilzt das Wachs, so bezieht sich dieses Urteil nicht auf Feuer und Wachs als Objekte der Anschauung, sondern auf ihre Elemente, die vom Verstände im Verhältnisse von Ursache und Wirkung zueinander gedacht werden‘ ‘ (Tr. 356). Diese ״Elemente“ sind weder räumlich noch zeitlich, sondern nichts als Verkörperungen intellektueller Beziehungen, reine Form. Sie sind die qualitativen Elemente der Welt. Leibniz hatte gegen die Atome als Elemente der Welt eingewendet, sie seien keine wahrhafte Einheit, weil sie potenziell teilbar seien. Maimon würde grundsätzlicher argumentieren: das Atom, sofern es mehr sein soll als eine rein gedankliche Konstruktion (und dieses drückt sich in seiner Ausdehnung aus) sei dem Intellekte undurchsichtig und könne daher nicht Gegen-Wurf, ob-jectum, des Verstandes sein. Die Frage quid juris? der Anwendung der Verstandesformen auf einen solchen Inhalt wäre nicht zu beant- Worten. Sie ist es nur dann, wenn die reinen Verstandesbegriffe sich nicht unmittelbar auf die Anschauung, sondern auf deren intellektuelle ״Elemente“ oder ״Entstehungsregeln“ und erst durch sie auf die Anschauung beziehen (Tr. 355). Freilich bleibt dieses Differential für uns bloß eine Idee, und in diesem Sinne sagt Maimon (Tr. 32), das Differential sei ein Noumenon, die daraus entspringenden Objekte Phänomena. Der große Unterschied und Gegensatz jedoch zwischen dem Differential und dem kantischen Ding an sich, das ja ebenfalls Noumenoi ist, besteht darin, daß das Ding an sich völlig jenseits aller ratio bleibt, während das Differential gerade wegen seiner reinen Intellektualität — für uns endliche, der Einbildungskraft bedürftige Wesen — eine unerreichbare Idee bleibt. Vom wissenschaftspraktischen Standpunkte aus bedeutet dies, daß der Verstand niemals eine letzte Gegebenheit als Schranke hinnehmen darf.

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