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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 545

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Isaac Bernays
Date
1939-01-01
Page
Seite 545 (sequence 13)
Language
German
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IRI
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Isaac Bernays 54 5 den Vordergrund und betonte auch in der Erklärung und Ausdeutung der religiösen Formen den Symbolgehalt und die Bildhaftigkeit, wandte sich also mehr an die schöpferischen Kräfte der Phantasie als an die analysierenden und abstrahierenden des Ver- Standes. Da das Religionsgesetz für ihn und seine Zuhörer etwas sehr Konkretes und Handgreifliches war, brauchte er auch in der Behandlung mystischer Inhalte keine Gefahr für die Leibhaftigkeit des von ihm dargestellten Judentums zu sehen. Die Erweiterung der Inhalte des Judentums, die auch Bernays stellenweise, über die Rückgewinnung des seelischen Bestandes hinaus, auf geistigem Gebiete notwendig fand, gewann er durch Ausbau der Ansätze, die die Tradition ihm darbot. So entwickelte er zum Beispiel aus der Lehre von der ,,Zurechnung im Jenseits<c und aus der Formulierung der Messiasidee den Gedanken, daß im Judentum implicite die Idee von der Unsterblichkeit der Seele enthalten sei. Indem er nach einer Darstellungsform des Judentums suchte, die für breitere Schichten einläßlich wäre, formte sich ihm unwillkürlich eine ganz persönliche Auffassung, während die liberalen Formulierungen, eigentlich für den einzelnen gedacht, fast schlagwortartig von der Masse auf genommen wurden. Eine seiner Lieblingswendungen wie ,,Ohne Grammatik kein Adon Olam“ ist bezeichnend für die persönliche Gleichung, die er zwischen Lehre, Wissenschaft und täglichem Leben herstellt. Das Wort, bei aphoristischer Kürze mehrere Bedeutungsschichten zwischen- und untereinander enthaltend, will sagen, daß ohne Grammatik, ohne das ordnende Prinzip in der Sprache noch nicht einmal die beiden Anfangsworte des Morgengebetes verständlich sind; schon das erste, was der gläubige Jude in der Frühe des Tages zu reden beginnt, manifestiert also in dem Herrn der Welt, der Zeitlichkeit und der Ewigkeit den ordnenden Geist. Im gesprochenen Wort aber hörte der Chacham Bernays den eigentlich wirkenden Ausdruck Gottes; in den Kultusformen sah er das Wort zur Gestalt werden, im Religionsgesetz zum Sinn. Und zum Ausdruck auch für des Menschen Gottesebenbildlichkeit gab er die Wendung nefesch chajjah wieder durch ,,Der Mensch ist ein redendes Wesen“. 35

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