Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Isaac Bernays
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 538 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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538 Hans Israel Bach blemen der Kabbala, der hebräischen Grammatik, der Etymologie biblischer Namen, der Patristik und der griechischen Philologie, ohne jemals etwas davon drucken zu lassen. Auch vermied er sorgfaltig jede Diskussion und teilte nur einem Kreis Nahestehender die Ergebnisse seiner Arbeit mit, nachdem sein ״Bibelscher Orient“ zum Gegenstand heftiger Angriffe geworden war. Dem Religionsgesetz sprach Isaac Bernays eine ״absolute Bedeutsamkeit“ zu und widerstrebte aufs heftigste jedem Versuch, daran etwas zu ändern oder auch den Kultus zu reformieren. Solange es irgend ging, übersah er das Bestehen der Reformgemeinde und ihres Tempelgottesdienstes überhaupt, und als beide nicht mehr zu ignorieren waren, versuchte er, sie zu unterdrücken. Für ihn nämlich war der Kultus der ״Leib des Judentums‘£, da dieser Gottes ״handelnde Manifestation in Opfer und Recht symbolisch ab- und nachbildet“. Denn Gott hat ״dies Volk, solange sein Gesetz unter ihm thront, für die Menschheit gesetzt“; Israel gilt ihm darum als ״der geistig-ethische Atlas der Weltgeschichte“ und das religiöse Gebot als ״universell bedeutsam, ja welttragend“, wie denn auch dessen Vernachlässigung ״Welten zerstört“. Wenn die Prediger des Reformtempels betonten, ihr Gottesdienst unterscheide sich ״nur in Einzelheiten des Kultus, nicht aber in Religionslehren“ von dem anderer Gemeinden, so liegt darin die ganze Spanne des Unterschiedes zwischen den beiden Richtungen im damaligen Judentum; denn über abweichende Auffassungen von Religions lehren hätte der Chacham Bernays aufs freieste mit sich reden lassen, während der Kultus und das Religionsgebot überhaupt ihm so erfüllt von Bedeutung als sinnliche Darstellung der Idee des Judentums und so liebenswert erschienen, daß er Änderungen daran ablehnen mußte oder nur im äußersten Fall zuzugestehen vermochte. Der neue Weg, den Isaac Bernays gefunden zu haben glaubte und teilweise auch wirklich gefunden hat, führte in der Welt der Tatsachen nicht bis zu einer wirklichen Reform des Judentums. Dieser Mann war nicht dazu befähigt, den eigentlichen Sinn seines Wirkens so klar zu erkennen und so objektiv sichtbar und gültig