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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 539

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Isaac Bernays
Date
1939-01-01
Page
Seite 539 (sequence 7)
Language
German
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IRI
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Isaao Bernays 539 aus sich herauszustellen, daß auch andere Menschen ihn hätten erkennen und sich nach ihm richten können. Erst sein Schüler Samson Raphael Hirsch setzte, nachdem er den gleichen Weg hinaus in die europäische Wissenschaft und zurück ins Judentum gegangen war, in den ,,neunzehn Briefen über Judentum“ (1836) die Grundlinien, nach denen eine jüdisch-konservative Partei sich dann bildete. Sie ließ sich praktisch ebenso auf die Einengung des Judentums in eine Konfession ein, wie der Liberalismus es tat, wenn sie auch theoretisch einen weiter in das bürgerliche Leben hineinragenden Eigenbereich des Judentums wahrte. Wie in der allgemeinen europäischen Geschichte konservative Bewegungen auf liberale folgen als Antithesis auf eine Thesis, so ist es auch in der Geschichte des Judentums. Die Aufklärung des 18. Jahrhunderts hatte das Denken des einzelnen befreit und das Individuum befähigt, die verschiedenen Seinsbereiche wie Religion, Politik, Wissenschaft, soziales und privates Leben voneinander zu sondern, sie auseinanderzuhalten und unter sich zu ordnen. Insofern hat sie eine wirkliche, wenn auch nur teilweise Befreiung des Individuums bewirkt: wirklich nämlich darin, daß der einzelne ermutigt wird, seine Vernunft bewußt zu gebrauchen, z. B. gegenüber einem religiösen Gebot oder Dogma, das bedingungslosen Gehorsam oder blinden Glauben verlangt; daß er ermächtigt wird, seine persönliche und individuelle Überzeugung gegenüber der Autorität einer Gemeinschaft sich selber einzugestehen und zuzugestehen, sie zu entwickeln und bewußt als Einzelmeinung zu vertreten. Die Teilhaftigkeit der Befreiung bestand darin, daß nur die Denkfunktion des Individuums in dieser Weise herausgestellt wurde, nicht aber zum Beispiel das Gefühl oder die Intuition. Auch der noch ganz ungehobene Gemeinschaftsanteil der Persönlichkeit blieb von der Erkenntnis unberührt, so daß ganz verschiedene Reaktionsebenen entstanden: nämlich eine, aus der die bewußten und vernünftigen Handlungen kommen, eine andere, aus welcher die unwillkürlichen, kollektiv ausgebildeten, instinktartig wirkenden Reflexe der Persönlichkeit resultieren — Phänomene, wie die moderne Massenpsychologie sie studiert.

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