Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Isaac Bernays
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 537 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Isaae Bernays 537 der Außenwelt könnte einem jungen Menschen ״nicht frühe genug die auf seine Weise begreifbare göttliche Einheit“ gezeigt werden; zugleich würden die praktischen Gesetze der Religion, wenn sie nur auf einfach klare Weise vorgetragen würden, ״gewiß gesündere und richtigere Begriffe von dem gesellschaftlichen Leben als alles willkürlich moralisierende Geschwätze“ geben. Da der einzige orthodoxe Lehrer, der deutsche Literatur unterrichten konnte, die angebotene Stelle ausschlug, griff Bernays zu dem Ausweg, die staatliche Schulverwaltung um einen christlichen Lehrer zu bitten, denn er wollte keinen der Lehrer von der Tempelgemeinde in diese Schule eindringen sehen. Der Anstellungsvertrag machte es dem Chacham Bernays zur Pflicht, an jedem Sabbath ״eine moralische Rede zu halten“. Da ihm ״willkürlich moralisierendes Geschwätze“ zuwider war, machte er daraus Vorträge — mitunter Vortragsserien —, die entweder wörtliche und grammatische Interpretationen einzelner Bibelstellen und ihre Erklärung durch Talmud, Midrasch oder spätere jüdische Literatur und Philosophie darstellten oder einzelne Gesetze und Bräuche in ihrem symbolischen Gehalt ausdeuteten, wobei er sich zuweilen mit großem Freimut über die Meinungen der Tradition hinwegsetzte. Bei großer Rednergabe hatte er nicht das Geschick, wirklich populär verständlich zu sein; doch teilte sich den Zu״ hörern, über das verstandesmäßige Einsehen hinweg, etwas von dem bildhaften inneren Gehalt der Rede mit. Darüber hinaus hielt er öffentliche Vorträge über die Psalmen und über Jehuda Halevis ״Kusari“, an denen auch Christen teilnahmen, wie er selbst Wert darauf legte, Mitglied des Vereins Hamburger Sfcadtgeistiicher zu sein, mit dem Bewußtsein, als einziger Jude darin wissenschaftliche jüdische Theologie zu vertreten. In den dreißiger Jahren setzte ein von ihm gegründeter Verein junger Männer, meist Kauf leute aus den unteren jüdischen Schichten, sich ebenfalls die Interpretation des ״Kusari“ zur Aufgabe, den der Chacham bei dieser Gelegenheit durch zwei seiner ehemaligen Schüler, darunter Samson Raphael Hirsch, neu herausgeben ließ. Er selbst arbeitete wissenschaftlich dauernd für sich weiter, an Pro-