Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Isaac Bernays
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 535 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Isaae Bernays 535 halten in ihren geistigen Voraussetzungen, in Stil, Satzbau und Interpunktion, daß eigentlich niemand damals den Sinn dieses Unternehmens verstand, um so mehr als Schellings Münchener Vorlesungen erst einige zwanzig Jahre später aus dem Nachlaß publiziert wurden. Als Isaae Bernays 1821, als Privatgelehrter wieder in Mainz lebend, nach Hamburg berufen wurde, um das dort lange verwaiste Rabbinat zu übernehmen, ließ er den ״Bibelschen Orient“ unvollendet und wandte sich zu einer praktischen Wirksamkeit in eine rein jüdische Umgebung zurück, aus der er ,,eigentlich schon herausgetreten“ war. Er ging nach Hamburg mit dem bestimmten Entschluß, die Reform des Judentums, die ihm vorschwebte, in Wirklichkeit umzusetzen. Schon in seinen Anstellungsbedingungen sprach diese Absicht sich aus: er behielt sich das Recht vor, gegen den Gemeindevorstand an den Senat der Freien Stadt, also an die Staatsbehörde zu appellieren, wahrte seine finanzielle Unabhängigkeit gegenüber den einzelnen Gemeindemitgliedern, indem er sich eine Pauschalablösung aller Gebühren für Trauungen, Begräbnisse usw. von der Gemeinde ausbedang, und brachte seine Sonder- Stellung auch rein äußerlich zum Ausdruck, indem er auf den ״Rabbiner“-Titel verzichtete und sich einerseits als Geistlichen Beamten, andrerseits — mit dem Titel, den die Rabbiner der Portugiesengemeinde führten — als ״Chacham“ anreden ließ. Die ,,Israelitische Gemeinde Hamburg“ um 1820 setzte sich aus ziemlich heterogenen Elementen zusammen. Die sozialen Unterschiede waren sehr groß: einer noch kaum vom Einfluß europäischer Bildung erfaßten Masse, die fast besitzlos, die noch ganz in den Kreis kabbalistischen Aberglaubens aus der Zeit des R. Jonathan Eibeschütz gebannt war, stand eine Elite reicher und selbstbewußter Exportkaufleute und Bankiers gegenüber, aus der sich auch der Vorstand der Gemeinde zusammensetzte. Die Vorherrschaft desKaufmannsstandes in der Hansestadt sicherte ihnen von vornherein ein hohes Maß an Achtung; selbsterrungener Besitz machte sie stolz und wohltätig, aber auch leichter geneigt, Fragen der Kultur und inneren Bildung als bloße Geldfragen zu behandeln oder rasch abzutun. Als 1815 der erste Reformgottesdienst in Berlin auf Betreiben