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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 534

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Isaac Bernays
Date
1939-01-01
Page
Seite 534 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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534 Hans Israel Bach Es muß für den noch jungen Studenten etwas Überwältigendes gewesen sein, als er in der Erwartung, in dieser ihm fremden Umgebung ganz Unbekanntes und Neues zu hören, lauter sehr bekannten und vertrauten Dingen begegnete, nur unter einem Aspekt, unter dem sie ihm seihst sich neu erschlossen. Schöllings ,,Philosophie der Mythologie“ stellte das Biblische in den Mittelpunkt als Ausdruck ältesten Gottesglaubens, als erstes greifbares Zeugnis des Urstandes der Menschheit, als früheste Urbilder ewiger menschlieber Daseinsformen und als Sinnbild orientalischer Schöpferkraft. Wurde doch im Kreis von Schelling ernsthaft und ausführlich die Frage behandelt, ob nicht Hebräisch die Ursprache der Menschheit sei. So fand also Bernays in der modernsten philosophischen Lehre seiner Zeit gerade jüdisches Geistesgut als Urbild, Sinnbild und Vorbild der Menschheitsentwicklung dargestellt. Er lernte dort auch Herders ,,Geist der ebräischen Poesie“ kennen und las darin das gleiche über die Bibel als Ausdruck urtümlicher Dichtung. Bernays konnte also glauben, er brauche seinen jüdischen Zeitgenossen nur die gleiche Überzeugung vom Wert des Judentums zu vermitteln, um nicht nur das biblische, sondern auch das zeitgenössische Judentum in den ihm gebührenden Rang eingesetzt zu sehen. In einem großangelegten Werke, das er den ,,Bibelschen Orient“ 1nannte und als Einleitung zu Herders Aufsatz bezeichnete, wollte er darstellen, wie er sich eine Reform des Judentums in solchem Sinne dachte, beginnend mit einer Revision der Maßstäbe zur Bewertung der jüdischen Geschichte seit den biblischen Zeiten. Er hatte sich in eigenem Studium eine glänzende Kenntnis der jüdischen Geschichte und Literatur erworben, die sich auch auf selten betretene Bereiche wie den der Kabbala erstreckte. Auch kannte Bernays die frühchristliche Patristik weitgehend und bemühte sich in seinem Bestreben, das Judentum universell zu machen, das Jüdische aus der Lehre Jesu von Nazareth und aus dem frühen Christentum in das Judentum zurückzunehmen. Von dem geplanten Buche erschienen jedoch nur drei kleine Heftchen, so schwierig ge- 1 Zu der, von manchen bestrittenen, Autorschaft Isaac Bernays* vgl. Enc. Jud. 4, 289 f.

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