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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. 533

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Isaac Bernays
Date
1939-01-01
Page
533 (sequence 1)
Language
German
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Isaac Bernays Von Hans Israel Bach Isaac Bernays ist der eigentliche Begründer eines konservativen Judentums in der Zeit nach Mendelssohn. Man kennt ihn trotzdem eigentlich nur indirekt, nämlich aus den Angriffen des frühen jüdischen Liberalismus, wie etwa ein Brief Heinrich Heines sie zeigt, und aus dem Streit um den Neubau des Hamburger Tempels von 1843, der zur ersten Kraftprobe der religiösen Reformpartei wurde. Vielleicht aber geht auf eben diesen Mann die früheste Verwendung des Begriffes Emanzipation für die bürgerliche Gleich- Stellung der Juden zurück, in deren Namen er dann später so heftig bekämpft wurde; er war der erste Rabbiner, der innerhalb eines orthodoxen Gottesdienstes regelmäßige Sabbatpredigten hielt und dabei den Ornat trug, den die Reformgottesdienste nach dem Muster der protestantischen eingeführt hatten, der erste, der in der Neuzeit an einer orthodoxen Schule hebräische Grammatik als Lehrfach durchzusetzen und die erste Landkarte als Unterrichtsmittel einzuführen wagte, und er war ein Mann, dem das Judentum seiner Zeit so reformbedürftig erschien, daß er nicht einmal den Titel eines Rabbiners führen wollte! Isaac Bernays, 1792 in Mainz geboren, aufgewachsen also in der Zeit französischer Besetzung dieser Stadt und unter den Parolen der französischen Revolution, kam wie sein Altersgenosse Börne innerlich noch ganz aus dem umgrenzten Bezirk jüdischen Eigenlebens, dem Ghetto. Er galt als Wunderkind, da er mit sieben Jahren einen ganzen Talmudtraktat auswendig hersagen konnte, und besuchte, heranwachsend, die Jeschiwa des R. Abraham Bing in Würzburg; gleichzeitig studierte er an der dortigen Universität, dann in München Orientalistik und Altphilologie. Die innere Richtung seiner Lebensarbeit aber blieb dauernd bestimmt durch den Eindruck, den er von Schellings philosophischen Vorträgen vor der Münchener Akademie der Wissenschaften empfing, und durch die persönliche Bekanntschaft mit diesem Vertreter der philosophischen Romantik.

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