Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Zur neueren Geschichte der jüdischen Autonomie
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 513 (sequence 5)
- Language
- German
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Zur neueren Geschichte der jüdischen Autonomie 513 Autonomismus17, stellte eine ,,wirkliche allumfassende Lösung“ dar. Für eine solche sei von der Erkenntnis auszugehen, daß die Juden eine Nation bildeten, die man allerdings mangels eines eigenen Staates ,,zur Unterscheidung von anderen Nationen als eine geistig-historische Nation bezeichnen“ müsse18. Sache der jüdischen Gruppen sei es, ihre Nationalität zu erhalten und weiter zu entwickeln. Demgegenüber verkenne die These von der ״Verneinung der Galuth“ die historische Bedeutung der Diaspora, die ,,ein nicht wegzudenkender Faktor der gesamten jüdischen Geschichte“ sei19. Sollen die Juden, darin gipfelt die Anschauung Dubnows, ihr eigennationales Lehen von neuem entfalten, so wären die kulturellen Lebensmöglichkeiten der Vergangenheit in einer den modernen Bedürfnissen angepaßten Form wiederherzustellen. Die jüdischen ״Kultusgemeinden“ müßten deshalb in ,,Volksgemeinden“ umgewandelt und mit Autonomie ausgestattet werden. II. Die Lehre Dubnows hat dem Autonomismus20 die ideologisehe Fundierung geliefert. Auf die einzelnen daraus resultierenden Forderungen der nationalpolitischen Praxis kann aus Raumgründen nicht eingegangen werden. Wir müssen uns deshalb darauf beschränken, die Grundlinien klarzusteilen, auf die sich die verschiedenen autonomistischen Programme zurückführen lassen. In Übereinstimmung mit der Theorie Dubnows, die ein Sonderdasein der Juden als Nation in der Diaspora für möglich hielt, bildete die gegen die Heimatstaaten erhobene Forderung 17 Dubnow, Die Grundlagen des Nationaljudentums, Berlin (o. D.), S. 18f. 18 A. a. 0. S. 40. 19 Dübnow, Weltgeschichte des jüdischen Volkes, X, Berlin 1929, S. 346. 20 Mit ״Autonomismus“ und ״Autonomisten“ wird in der einschlägigen Literatur manchmal nur die Richtung bezeichnet, die lediglich ein autonomistisches Diasporaprogramm vertritt. Hiernach wären also vor allem die Zionisten, die galuthpolitische Forderungen erheben, keine ״Autonomisten“. Wir schließen uns dieser engen Terminologie nicht an, sondern verstehen im folgenden unter ״Autonomismus“ und ״Autonomisten“ jede jüdisch-politische Richtung mit einem über die religiöse Sphäre hinausgehenden Autonoraieprogramm. 33