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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 511

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Zur neueren Geschichte der jüdischen Autonomie
Date
1939-01-01
Page
Seite 511 (sequence 3)
Language
German
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Zur neueren Geschichte der jüdischen Autonomie 511 hänger den Gedanken einer ,,Gegenwartsarbeit“ mit der zionistisehen Doktrin nicht für vereinbar. Bezeichnend hierfür ist ein Aufsatz, der 1907 in der ״Welt“, dem Zentralorgan der Bewegung erschien6 und in dem es heißt: ,,In der Theorie haben die Gegner der zionistisch-politischen Gegenwartsarbeit Recht, in der Praxis deren Anhänger.“ Eine derartige Unterscheidung zwischen Ideologie und taktischer Notwendigkeit7 war naturgemäß unbefriedigend. Deshalb gingen die Verfechter der nationaljüdischen Landespolitik allmählieh einen Schritt weiter. 1907 erklärte Adolf Böhm8, ein repräsentativer österreichischer Zionist: Die These von der ״Verneinung der Galuth“ stelle eine ״Verelendungstheorie“ dar, die auf falschen Voraussetzungen beruhe. Man müsse zwar zugeben, daß ״das Streben nach einer Vollexistenz“ als Nation in Palästina ״die stärkste Triebkraft zum Zionismus“ darstelle. Diese Kraft könne jedoch auch dann wirksam werden, wenn, wie in manchen Ländern der Diaspora, nicht die gesamte nationale Vollexistenz, aber immerhin ״ein gutes Stück“ davon erreichbar sei. Auf diese Weise gelangte die zionistische Weltorganisation zu einer offenen Abkehr von ihrer ursprünglichen These9, was allerdings nicht bedeutete, daß die Organisation als solche ein Galuth- Programm aufstellte10. Hierzu waren nur die einzelnen landsmannschaftlichen Gruppen der Bewegung berufen, die in Österreich und Rußland eine starke galuthpolitische Aktivität entfalteten. Als in Österreich in den Jahren 1905—1907, genauer gesagt: seit einer Regierungserklärung vom 28. November 190511, die Nationalitätenfrage in 6 ״Die Welt“, Organ der zionistischen Partei, Wien 1907, Nr. 21 S. 4; vgl. hierzu ״Jüdische Rundschau“, Berlin (im folgenden ״JR“ zitiert) 1907, S. 180f. 7 Vgl. hierzu noch Böhm I S. 331. 8 In ״Die Welt“ 1907, Nr. 24 S. 9. 9 Der Wandel der Anschauungen wurde namentlich auf dem 9. Zionistenkongreß deutlich. Hier legte das Aktionskomitee einen Bericht vor (Protokoll des 9. Kongresses S. 356), in dem es heißt: ״Die Gegenwartsarbeit muß als eine Fortsetzung des eigentlichen Zionismus gelten. Sie ist unvermeidlich und zu gewissen Zeiten von ungeheurem Wert.“ Vgl. auch die Äußerung von Weizmann, a. a. O., S. 103, 10 Vgl. Böhm I S. 331, II S. 82f. 11 Stenographische Protokolle üher die Sitzungen des Hauses der Ah-

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