Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 503

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Die Synagoge in Ellrich am Südharz
Date
1939-01-01
Page
Seite 503 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2829132-2830039-2830041-2850803--56193-2851353
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Di© Synagoge in Ellricli am Südharz 503 stück: ״Alles, was Odem hat“; auf dem nordwestlichen: ״Lobe den Herrn. Alleluja.“ Die Wahl des Psalmverses ist nicht zufällig. So begegnen uns die voraufgehenden Verse des gleichen Psalmes 1503_5 (Lobet Ihn mit PosaunenschalL Lobet Ihn mit Saitenspiel und Flöten usw.) in der Neuen Betschule in Posen, die, nach Grotte, 1803 erbaut wurde. Dort sind sie hebräisch als Erläuterung zu den auf der Schreintür geschnitzten Musikinstrumenten zu lesen32. Anfang des 19. Jahrhunderts wird der Hl. Schrein häufig mit Darstellungen der Musikinstrumente, mit denen Gott im Psalter verherrlicht wird, geschmückt. Solche ,,Instrumentenschreine“ sind in einer Reihe von Synagogen, von denen wir nur Kempen (1815) nennen, zu finden33. Die Psalmverse werden gelegentlich fehlen, das Bild bleibt. In der Synagoge in Ofen, Ungarn, schmücken Leier, Harfe und Trompeten Brüstung und Geländer der Almemortreppe34. In der Synagoge in Horb gehören die Musikinstrumente zu einer symbolischen Vision, die ikonographisch von großem Interesse ist. Hier sehen wir an der östlichen Schildwand der Tonnendecke, also oberhalb des Toraschreines, ein Gemälde mit Darstellungen Jerusalems, des Ölbergs mit der Taube auf einem Ölbaum, ferner des Feststraußes des Lulab und der Etrogim, die durch eine Beischrift aus Lev 2340 gekennzeichnet sind. Früchte, offenbar Symbole der Fruchtbarkeit der künftigen Zeit, füllen Körbe und Vasen, Löwen stoßen in Trompeten, zwei Schofarim hängen an Ketten herunter. Die zweite Beischrift des Bildes ist der etwas abgewandelte Psalmvers 98 6: Mit Trompeten und Schofar posaunt vor dem Herrn und König. Es ist hier nicht der Platz, die messianische Bedeutung dieser Vision zu erörtern35. 32 Die Neue Betschule in Posen ist 1908 abgebrochen. Der geschnitzt© Schrein ist in die Latzsche Siechenanstalt in Posen überführt worden, vgl. Grotte, op. cit., S. 47. 33 Grotte, op. cit., S. 46—48. 34 R. Wischnitzer-Bernstein, Jüdische Kunsteindrücke in Budapest, Jüd. Rundschau vom 3. Sept. 1937, Nr. 70/71 mit Abb. 35 R. Wischnitzer-Bernstein, Die Messianische Hütte in der Jüdischen Kunst, MGWJ 1936; Abb. in Rimon, Heft 3, 1923.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.