Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Die Synagoge in Ellrich am Südharz
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 501 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Synagoge in Ellricli am Südharz 501 ein Spätrokoko aus dem ]Ende der 40er Jahre des 19. Jahrhunderts27. Diese Annahme findet eine Bestätigung in den Mitteilungen von Arthur Warburg, Nordhausen, des Nachkommen der Ellrieher Warburgs, denen das Synagogengrundstück gehört hatte. Die Vorlesekanzel war eine Stiftung der Warburgs, die Anfang der 50er Jahre aus Ellrich nach Nordhausen übersiedelten. Es waren das Levi Jehuda und Josef Warburg. Sehr wertvoll ist das in der Ellrieher Synagoge erhaltene Lichtgerät. Da sind die fünf Kronleuchter in Gelbkupfer, die vor der Ostfront des Almemors hängen. Über den Wandsitzen sind noch etliche sehr reizvolle Wandblaker, ebenfalls in Gelbkupfer mit Ovalschild und Muschelaufsatz darüber erhalten. Ähnliche Blaker besaß die Berliner Synagoge. Der Hl. Schrein der Ellrieher Synagoge gehört zu ihrem alten Bestand. Der zweiflügelige Eichholzschrank ist 1,80 breit (mit den Schnitzereien an den Außenseiten mißt er 2,20 Meter) und 2 Meter hoch. Er trägt außerdem einen Aufsatz von 1,40 Höhe. Es ist eine Dreipilasterädikula mit verkröpftem geradlinigem Gebälk auf einem sockelförmigen Unterteil. Das durchbrochene Schnitzwerk, das den Schrein seitlich umrahmt, — eine Weiterentwicklung der Voluten des Barock, — ist aus Akanthus und Stabwerk gebildet, die Kapitelle der Pilaster aus je einem aufsteigenden Akanthusblatt. Der Schrein hat nichts von den mehr- Hügeligen, mehrgeschossigen, mit reichem Tierdekor in Kerbschnitt geschmückten Schaufassaden der osteuropäischen Synagogen- Schreine. Der Ellrieher Schrein ist eine durchaus bodenständige Schöpfung, etwas bäuerlich in seiner untersetzten Gestalt. Das Schnitzwerk an den Außenseiten des Schreines ist von Kirchenaltären her bekannt, man denke etwa an den Schnitzaltar der 1680 erbauten Johanneskirche in Halberstadt. Nur die Bekrönung mit den Gebotetafeln erscheint als eine Besonderheit des Synagogenschreins. 27 Ebenso liegen wohl die Dinge in der Synagoge in Märkisch Friedland, die 1840 erbaut wurde. Ihr Rokokoschrein wird wohl aus der gleichen Zeit stammen und kaum aus der älteren, 1770 entstandenen Synagoge übernominen worden sein.