Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Der Neger und die Negerin
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 491 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Neger und die Negerin 491 lieben, reiten auf weißen Eselinnen! Da stieß ich einen lauten und bitteren Schrei aus. Es kamen herein die Mädchen (die vorher dem Alten den Wein gereicht hatten), denn ich hatte meine Stimme erhoben und geschrien. Ich erzählte ihnen die Worte ‘Akbärs (über die Liebe zu weißen Mädchen) und sie beschimpften ihn und überhäuften ihn mit gewaltigen Schmähungen. Sie spotteten über die Haare seines Bartes, die [zwar] lang und weiß wurden, aber ohne Wissen und Verstand. Die Helle achtete er einer Schwarzen gleich, die Schwarze einer Hellen, seine Begierde nach Schwarzen konnte nicht gehemmt werden . . .21 Der alte Wüstling wird nun von den zornigen Mädchen so lange drangsaliert, bis er seinen Geist aufgibt, damit den moralischen Forderungen des Dichters offenbar Genüge getan wird. Die Figur der schwarzen Mätresse von ‘Akbär hat, bei aller ihrer Wichtigkeit, für den Fortgang der Handlung doch nur einen episodenhaften Charakter im Rahmen der ganzen Erzählung. Es gibt aber dafür bei Ja'aqob ben El'azar eine andere Novelle (Nr. 6), in der ein Neger völlig im Mittelpunkt der Geschehnisse steht. In allgemeinen Zügen hat sie folgenden Inhalt: Maskll, ein dreizehnjähriger Knabe von erlesener Schönheit, verliebt sich in die kleine Peninnä, und seine Liebe wird erwidert. Sie beide verbringen glückliehe Tage im Freien, in einer paradiesischen Natur: an einem Fluß, unter Bäumen, die von Singvögeln bevölkert sind. Während sie ihre Freude ungestört genießen, nähert sich ihnen ein unerwarteter Feind. Drohendes Getöse, Trompetenklänge, eine Staubwolke verkünden sein Kommen, Wie im Wirbelsturm kommt ein zum Kampf gerüsteter Riese angeritten. ,,Maskll wandte sich ihm zu, und siehe! er war schwarz. Maskll erschrak, prallte zurück und dachte sich: Gewiß ist der Neger gekommen, um mir das Leben zu nehmen/' Die furchterregende Gestalt des Negers wird nun in allen Einzelheiten geschildert. Er fordert Maskil auf, ihm seine Geliebte zu überlassen und verspricht ihm 21 Übersetzt aus dem unveröffentlichten Teil des Buches nach Ms. München Nr. 207, fol. 52b—53a. Das Manuskript bietet einen sehr schlechten Text; viele Stellen mußten bei der Übersetzung emendiert werden.