Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Der Neger und die Negerin
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 492 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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492 Jefim Scliirmann dafür freien Abzug. Die freche Forderung erregt den Zorn von Maskil, und er schleudert seinem Gegner kräftige Schmähworte ins Gesicht, vor allem mit Bezug auf sein häßliches Äußere. Aber auch der Schwarze bleibt ihm keine Antwort schuldig. Er stellt sich als der große Neger-Recke Kusan Ris‘ätäjm vor, und ein gewaltiger Schrecken fährt Maskil durch die Glieder. Peninnä spricht ihm Mut zu. Nun sucht einer den anderen durch Reden einzuschüchtern. Panzer, Helm, Schild und Waffen des Negers sind außergewöhnlieh gut, vor allem imponiert aber Maskil sein Pferd, ״wie es im ganzen Lande Edom ( christlichen Spanien) keines gibt“. Dennoch tritt ihm der Neger zu Fuß entgegen. Es folgt eine dramatische Schilderung des Zweikampfes. Der Anblick Peninnäs gibt Maskil Stärke, und er wehrt alle Angriffe ab. Allmählich zerschellen aneinander die Waffen, und zeitweilig werden die Kämpfer sogar handgemein. Dann holen sie sich andere Waffen. In der letzten Phase des Kampfes gelingt es schließlich Maskil, den Gegner zu überwältigen und zu töten. Triumph. Die beiden Geliebten sind jetzt für immer vereint und kosten alle Freuden dieser Vereinigung aus22. Diese flüchtige Übersicht über den Inhalt der Novelle dürfte schon genügen, um zu zeigen, daß wir es mit einem Produkt der christlichen Umgebung zu tun haben: vorgeführt wird uns der Kampf des Ritters mit dem ״Mohren“, der ihm die Dame seines Herzens rauben will. Der Schwarze ist hier zu der Gestalt geworden, wie wir sie aus der christlichen Literatur des Mittelalters, den Ritterromanen, dem Volksmärchen kennen: er ist der unheimliche Vertreter einer feindlichen Macht, seine Besiegung ist der Triumph des Guten über das Böse. Es wäre eine lohnende Aufgabe für einen Romanisten, den lateinischen oder spanischen Quellen bzw. Vorbildern für diese Erzählung sowie für die anderen Novellen der Sammlung nachzuspüren. 22 Textedition (zitiert in Anm. 20) p. 225—232. —־ Ich hemerke noch zum Schluß, daß die Geschichte von einem mißgestalteten Neger in ״Mislö 4Arab“ (gedruckt in Brills ״Libanon“ Bd. III, p. 272) nicht in den Züsammenhang dieses Aufsatzes gehört; denn es handelt sich bei dieser in Prosa abgefaßten Geschichte um eine direkte Übersetzung aus dem Arabischen.