Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Der Neger und die Negerin
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 489 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Neger und die Negerin 489 Ausdruck, unter denen der Dichter sein Leben verbracht hat. Es muß jedenfalls betont werden, daß sein Buch auch sonst eine Fülle von Einflüssen verrät, die nicht aus dem moslemischen Kulturkreis erklärt werden können20. In der achten Novelle des Buches wird die Liebe zu einer Negerin nicht bloß verspottet, sondern geradezu als Sünde angeprangert. Sie bildet den Gipfel in dem ausgelassenen Treiben der Hauptperson. Diese Hauptperson, die groteske Gestalt eines alten Heuchlers, mit Namen ‘Akbör, gebärdet sich als Asket und gewinnt die Herzen des gläubigen Volkes durch seine Predigten mit frommem Augenaufschlag und seinen ehrwürdigen Bart. Der Erzähler der Novelle folgt dem Alten unbemerkt in sein Haus, beobachtet ihn dort aus einem Versteck und erkennt seine wahre Natur. Es erscheinen nämlich vier Mädchen, die seine Liebeslust erregen; er betrinkt sich in ihrer Gesellschaft, treibt mit ihnen allerlei Unfug, fängt gar zu tanzen an. Darauf passiert folgendes: 20 J. Schümann, סעודי האהבה של יעקב בן אלעזר. The Love Stories of Ja‘aqob ben EFazär (Studies of the Research Institute for Hebrew Poetry in Jerusalem Vol. V, p. 209—266) Berlin-Jerusalem 1939. In der Einleitung sind alle wichtigen Daten über den Dichter zusammengestellt. (Er war keineswegs ein Zeitgenosse von Todrös Abü-l-cÄfija; die Überschrift in der Ed. Jellin [oben Anm, 12] Bd. II, 1, p. 53 ist falsch; das Richtige daselbst Anm. p. 59 zu Nr. 549 und H. Brody, Bibliographische Kleinigkeiten in den ״Soncino-Blättern“ II, Berlin 1927, S. 111). Von dem Buche Ja‘äqöbs sind die Einleitung und vier Novellen ediert. Zur Stützung meiner obigen Behauptung verweise ich auf einige Einzelheiten in den gedruckten Novellen, die christliche Einflüsse vermuten lassen: Ein Mädchen ist eifersüchtig auf den Helden der Erzählung, da. er ihr eine andere vorgezogen hat. Im Rittergewand entführt sie ihn nachts vom Lager, auf dem er mit seiner Geliebten schläft. In der Morgendämmerung eilt die Geliebte beiden nach; sie ist unkenntlich, da auch sie sich als Ritter verkleidet hat. Die beiden Frauen kämpfen miteinander nach Männerart, und die Angreiferin siegt. Nun kämpft mit ihr auch der Held der Geschichte; sie stürzt vom Roß, ihr Haupt wird entblößt, und der Mann erkennt zu seiner Scham, daß er eine Frau besiegt hat (gedruckter Text p. 237—240). Oder: wohlgesittete Liebhaber verschmähen die sinnliche Liebe, da sie ihre Zuneigung befleckt (p. 258, Z. 263—275 u. sonst); sie umarmen einander nicht, sondern wer־ fen sich einen Handkuß zu, genannt ״Bote der Freunde“ (a. a. 0. p. 250, Z. 78—79, p. 257, Z. 257 u. 261). Die Liebe eines Ehepaares bedarf der Auffrischung, dabei erregt der Mann einen künstlichen Streit (p. 255, Z. 457ff.).