Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Der Neger und die Negerin
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 487 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Neger und die Negerin 487 Vor dir ist eine Negerin von den Töchtern Harns, gekleidet in eine Hülle von Kohle; ihr glühendes Herz zürnt dem Heer der Kälte, ihr Heer kämpft mit seinem Heer, bis sie eindringen läßt in sein Herz ihrer Gluten Stachel und ihre geschärften Pfeile.16 In allen angeführten Beispielen verwenden die Dichter den Neger und die Negerin nur als Metaphern, welche die Wirkung einer Schilderung erhöhen sollen. Daneben aber kennt die spanischhebräische Poesie die dunkelfarbigen Menschen auch als Wesen von Fleisch und Blut, als Personen einer Handlung, und sei es auch nur einer reichlich phantastischen oder skurrilen Handlung. Wahrscheinlich unter dem Einfluß eines arabischen Vorbildes, das bisher nicht entdeckt werden konnte, dichtete um 1200 Jehüdä ibn Sabfetaj eine satirische Novelle in Reimprosa unter dem Titel ,,Der Frauenhasser“. Der Held der Ersählung, der sein Leben als Junggeselle beschließen will, wird von einer hinterlistigen Kupplerin (Kozbi) ins Verderben gestürzt. Sie macht ihn mit einem berückend schönen Mädchen bekannt; der ,,Frauenhasser“ wird seinem Grundsatz untreu und beschließt, es zu heiraten. Nach moslemischem Brauch bleibt die Braut während der Hochzeit verschleiert, als aber der Held in der darauffolgenden Nacht sich in sein Gemach zurückzieht, schiebt ihm die Kupplerin eine monströs häßliche Negerin zu: Da nahm Kozbi das Mädchen und brachte an ihrer statt eine schwangere Frau, häßlich und schwarz. Ihre Lippen waren wie ein Schlauch über einem anderen und aufgedunsen. Alle, die sie sehen würden, müßten stöhnen. Ihr Haar war wie abgeschnittene Dornen usw. (Die Schilderung ihres schrecklichen Aussehens wird noch fortgesetzt.) Da nahm Kozbi die Schwarze und brachte sie zu Zerah ins Zimmer17. 16 A. a. O. Kap. 5, 8. 65, Zeile 2ff. (lies daseihst מעטה statt מעשה). 17 Die Novelle ist zuletzt ediert worden von Elieser Aschkenasi in seinem Sammelwerk ״IVam zekenim“, Frankfurt a. M. 1854, f. 1—12. Die übersetzte Stelle ist daselbst fol. 9a.