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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 484

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Der Neger und die Negerin
Date
1939-01-01
Page
Seite 484 (sequence 4)
Language
German
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484 Jefim Schirmann Dem etwas jüngeren Selömö ibn Gabiröl (ca. 1020—1055/60) erscheint die Nacht als ein Neger mit leuchtend weißem Turban auf dem Kopf. Den zarten, zunächst kaum wahrnehmbaren Strahlen des nahenden Tages entsprechen die ersten grauen Haare, die hier und da die Schwärze des Bartes eines Jünglings — vielleicht eben dieses Negers — unterbrechen: Mich dünkt — die Nacht ist ein Neger Um dessen Haupt eine Binde von weißem Linnen gelegt ist. Ausgestreut hat Gott in der tiefsten!Finsternis Das Morgengrauen wie graues Haar auf den Bart des Jünglings8. Möse ibn ‘Ezra (ca. 1065—st. nach 1135), der sich häufig an die Dichtung des von ihm schwärmerisch verehrten Nägid anschließt, verwendet das Bild aus dem angeführten Weinliede mit einer leichten Variante. Die unmittelbare Aufeinanderfolge von Nacht und Morgendämmerung versinnbildlicht ihm ein davonstürzender Neger, den ein weißes Mädchen an der Ferse hält: Trink bei Tage, bis er sich neigt und die Sonne Über sein Silber deckt ihr Gold, Und bei Nacht, bis sie [hebräisch: er] flieht wie ein Schwarzer Während die Hand der Morgenröte ihn packt an der Ferse9. Auch Jehuda Hallewi (geb. spätestens 1075) denkt an schwarze Menschengestalten, wenn er sich von der Nachtfinsternis umgeben sieht. In Anlehnung an einen biblischen Spruch (Jerem 13 23) bemerkt er kurz in einem Gedicht an Selömö ibn Ghaj jäth: Die Nacht ist wie ein Neger — kann sie denn je verwandeln die Haut?10 8 Übersetzung eines bisher ungedruckten Epigrammes von Gabirol nach Ms. Schocken 37f. 174a M. 229. Dem Forschungsinstitut für hebräische Dichtung in Jerusalem und seinem Leiter Dr. Brody sei auch an dieser Stelle gedankt für die Erlaubnis, die Übersetzung des Textes zu veröffentlichen. 9 Möse ihn ‘Ezrd שירי מחול [Weltliche Dichtungen hrsg. von H. Brody], Berlin 1935, Nr. 19, Vers 10—11. 10 H. Brody, די־ואן .♦ . יהודה בן שטלאל הלוי. Diwan des Abü־l Hasan Jehuda ba-Levi. Bd. I, Berlin 1894, p. 139, Zeile 41.

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