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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 483

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Der Neger und die Negerin
Date
1939-01-01
Page
Seite 483 (sequence 3)
Language
German
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Der Neger und die Negerin 483 Man könnte glauben, die Nacht wäre ein Neger, auf dessen Schulter eine Wunde war, aus der man zuweilen Blut strömen sah5. In der hebräischen Poesie des Mittelalters begegnet uns der Neger zum erstenmal bei Ibn Suhaids Zeitgenossen Semü’ el Hannägid (993—1056), der übrigens den ersten Teil seines Lebens (bis 1013) ebenfalls in Cordoba verbracht hat. In seinen Weinliedern schildert er oft die Zeit vor Sonnenaufgang, zu der man die Trinkgelage gern abhielt. Eine dieser Schilderungen birgt in sich eine kleine Episode mit dem Neger als Hauptperson: Steh auf in der Morgendämmerung, und betrachte den Vorhang Des Himmels, den mit Gold und Silber gesprenkelten; Das Antlitz der Dunkelheit ist wie (das) eines Negers, Der flieht vor einem weißen Mädchen6. Nacht und Morgengrauen zaubern also dem Dichter das Bild eines schwarzen Mannes vor die Augen, der sich einer weißen Frau genähert hat, von ihr abgewiesen wurde und nun schmerzerfüllt davoneilt. In einem anderen Gedicht erinnert die Nacht den Dichter an eine Negerin, deren kostbarer Schmuck sich scharf von der dunklen Hautfarbe abhebt: Und das Aussehen des Mondes in der Dunkelheit (Ist) wie das einer Bareqet [gelber Edelstein] auf der Hand eines schwarzen Mädchens7. 5 Die beiden arabischen Gedichte nach der französischen Übersetzung von H. Peres a. a. 0., p. 220. Die Originaltexte (gedruckt in der Maqqarl- Ausgabe. Leiden 1855/1861 I, 819, II, 298) sind mir augenblicklich nicht zugänglich. 6 Das Original gedruckt im Sammelband ,,Iyylm“, London 1928, p. 108, ferner in ״Keneset“ [Gedenkbuch für Bialik] Bd. II, Tel-Aviv 1936, p. 407. Der Neger heißt seharhör, hier wie an vielen anderen Stellen nicht im Sinne von ״schwärzlich“, sondern von ״dunkelschwarz“. Das weiße Mädchen heißt eigentlich ״beruddä“ — die Nagelfarbige. Auch dieser Gebrauch der biblischen Vokabel (Gen 3110, 12; Sach 63, 6) läßt sich durch andere Zitate ans der Dichtung belegen. 7 D. S. Sassoon, דמאן שמואל הנגיד. Diwan of Shemuel Hannagid, Oxford 1934, p. 116, Nr. 201, Vers 3. 31*

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