Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Raschi und Maimonides in Geschichte und Sage
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 466 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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466 Juda Bergmann kämpft. Der Streit um dieses Werk spiegelt sich in der Erzählung der Sage wider, Maimonides habe, als er von der Polemik des Abraham b. David gegen das Werk ״Mischne Tora“ erfahren hatte, ausgerufen: Saget dem Rabbi von Posquieres, daß er die Sache nicht zu Ende führen werde. Und noch in demselben Jahre starb Abraham b. David31. Sein Leben lang hat Maimonides den Aberglauben bekämpft, nach seinem Tode aber ist das Gotteshaus, in dem er gebetet und die Gemeinde belehrt hatte, eine Pflegestätte des Aberglaubens geworden. In Griechenland wurden die Kranken in den Tempel des Äskulap gebracht, wo sie in der Nacht schliefen, um so Heilung zu finden, und ebenso brachten die Juden in Kairo ihre Kranken in ein Zimmer, das sich im Gotteshause des Maimonides befand, damit sie dort eine Zeit verweilten und dadurch geheilt würden32. Wie das Gotteshaus des Maimonides im Volke als eine Stätte der Wunderheilungen galt, so wurde Maimonides selbst in der Sage zum Wundertäter. Die christliche Legende erzählte von Albertus Magnus, daß er ein sprechendes Zauberbild erschaffen habe. So erzählte auch die jüdische Sage von Maimonides, daß er mit Hilfe des ״Buches der Schöpfung“ die Teile von der Leiche seines Schülers in eine Glasretorte legte, um sie zusammenzufügen. Nach drei Monaten nahten die Teile einander, nach sieben Monaten kam in sie Geist, im achten Monat nahmen sie Menschengestalt an. Maimonides erschrak angesichts seiner ״Schöpfung“. Dem Rate der Weisen folgend, zerschlug er die Retorte und verbrannte das ״Buch der Schöpfung“. Doch sein Leben wurde von jent?!: Zeit an ruhelos, da er sich erkühnt hatte, die Schranken menschlicher Schöpferkraft zu überschreiten33. Maimonides’ rationalistischer Geist hielt sich von der Mystik fern. Das kabbalistische Buch ״Schiur Komah“ hat Maimonides verworfen und seine Vernichtung als frommes Werk hingestellt34. Anders die Sage. Von Aristoteles erzählte sie, daß er am Ende seiner Tage ein Buch verfaßte, in dem er seine früheren Behaup״ 81 Ibid. I 204. — 32 iE. N. Adler, Von Ghetto zu Ghetto 5. 83 Hertling 164; Sippurim, Prag 1883, I645.—84 GAed.Fr. 343 Nr. 373.