Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Raschi und Maimonides in Geschichte und Sage
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 467 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Baschi und Maimonides in Geschichte und Sage 467 tungen über Vorsehung, Unsterblichkeit und Weltschöpfung aufgab, von Albertus Magnus, daß vor seinem Ende alle weltliche Wissenschaft von ihm genommen wurde, so daß er im kindlichen Glauben seinen Tod fand35. So berichtete die Sage auch von Maimonides, daß er im Alter der Philosophie den Rücken gekehrt habe. Des Zweifelns müde geworden, suchte er in der Kabbala Gewißheit und Frieden, vertiefte sich in die Geheimnisse des Thronwagens und glaubte an die Wunderwirkungen der praktischen Mystik36. Die Sage, die Maimonides durch alle Stadien seines Lebens begleitete, verherrlichte auch seinen Tod. Als der Sarg mit dem Leichnam des Maimonides aus Ägypten nach dem Hl. Lande gebracht wurde, überfielen ihn auf dem Wege Beduinen, die die Leiche ins Meer werfen wollten. Allein der Sarg wurde, wie die Sage berichtet, so schwer, daß die Beduinen ihn nicht von der Stelle zu bewegen vermochten. Von diesem Wunder überwältigt, schlossen sich die Beduinen dem Trauerzuge an und geleiteten den Sarg nach Tiberias oder, wie andere meinten, nach Hebron. In einer der beiden Städte fand Maimonides sein Grab37. Eine zweite Sage erzählt: Maimonides habe wohl den Wunsch ausgesprochen, im Hl. Lande bestattet zu werden, aber den Ort der Bestattung nicht bestimmt. Nach dem Ableben des Maimonides wurde der Sarg auf ein Kamel geladen und nach dem Hl. Lande gebracht. Dort entstand um die sterbliche Hülle des Maimonides ein Streit zwischen den Gemeinden Jerusalem, Hebron und Merom. Sich selber überlassen, trug das Kamel von selbst den Sarg nach Tiberias, wo er auch bestattet wurde38. Die Sage übermalt das Bild der Heroen mit neuen Farben. In einer Zeit, in der das Torastudium zum Kult erhoben wurde, erzählte die Agada von Jakob dem Hirten, der ,,in den Zelten wohnte“, daß er in den ,,Zelten der Tora“ dem Studium oblag, und setzte dem König David die Krone der Lehre aufs Haupt und schilderte ihn 35 Hertling 16; Sed.kad.I 205. 36 מגדל עה ספ״א ה, יסודי התורה; Kobez II 35 a; Bikkure ha־Ittim 11, 13l£. 37 Juchasin 220 a. — 38 Wilnai, Agadot Erez Jisrael 147. 30*