Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 465

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Raschi und Maimonides in Geschichte und Sage
Date
1939-01-01
Page
Seite 465 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2829132-2830039-2830041-2850800--56152-2851315
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Raschi und Maimonides in G-eschichte und Sage 465 wurden auch von der Sage verherrlicht. Vor dem Throne des ägyptischen Königs, so erzählte die Sage, waren sieben Stufen, den sieben Künsten entsprechend. Jedesmal, wenn der König den Thron bestieg, saßen seine Hofärzte und Weisen auf den Stühlen, die auf den sieben Stufen standen. Jeder von den Weisen nahm Platz auf der Stufe, die seiner Kunst oder Wissenschaft gewidmet war. Als Maimonides Leibarzt des Königs wurde, wußte man nicht, auf welcher der sieben Stufen er Platz finden sollte, da er in allen Künsten und Wissenschaften bewandert war. Maimonides jedoch, dessen reiches Wissen mit demütigem Sinn vereint gewesen, verzichtete auf einen Platz auf den Stufen des königlichen Thrones27. Am Hofe des Königs hatte Maimonides nicht nur Verehrer, sondern auch Neider, die ihn aus seinem Amte als Leibarzt des Königs verdrängen wollten. Seine Gegner machten den seltsamen Vorschlag, Maimonides möge ein von ihnen bereitetes Gift einnehmen und durch Selbstheilung seine ärztliche Kunst dartun. Maimonides ging auf den Vorschlag ein, verstand jedoch durch ein Heilmittel, das er vorher zu sich genommen hatte, das Gift seiner Gegner unschädlich zu machen28. Von den beiden Hauptwerken Raschis ist nicht der Talmud-, sondern der Torakommentar als Volksbuch von der Sage verherrlicht worden. So hat die Sage auch von den beiden Hauptwerken des Maimonides nicht den philosophischen ,,Führer der Unschlüssigen“, sondern das Gesetzbuch ״Mischne Tora“ verherrlicht, das Maimonides für die geschrieben hat, die ,,in die Tiefen des Talmuds nicht einzudringen und den Weg des Erlaubten und Verbotenen nicht zu erkennen vermögen“29. Die Sage erzählte, Maimonides habe zehn Jahre lang sein Studierzimmer nicht verlassen und an seinem Werke ״Mischne Tora“ gearbeitet. In der Nacht, in der er sein Werk vollendet hatte, sah er im Traume seinen Vater und an seiner Seite den Propheten Mose, der Maimonides zurief: Deine Kraft erneuere sich!3° Das Werk ,,Mischne Tora“ wurde anerkannt, aber auch be- 27 Schalsch. 33 a. — 28 Ibid. 29 Kobez I 25 c Nr. 140. — 30 Sed. liad. I 206. 30

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.