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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 464

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Raschi und Maimonides in Geschichte und Sage
Date
1939-01-01
Page
Seite 464 (sequence 8)
Language
German
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464 Juda Bergmann Ideal der Weise war, der zur höchsten Erkenntnis und so zur Un- Sterblichkeit gelangt. Raschi hat zum Volke hingestrebt; von Maimonides dagegen wurde gesagt, daß er über der ,,großen Menge“ stand, ihr Lob nicht suchte und ihren Tadel nicht fürchtete. Dennoch, so verschieden auch Raschi und Maimonides in ihrem Denken waren, beide lebten in gleichem Maße im Gedächtnis und in der Sage des Volkes fort. Maimonides’ reiche Geistesgaben sind nach der Sage durch eine plötzliche Erleuchtung gekommen zum Zeichen, daß sie ein Geschenk des Himmels und von übernatürlichem Ursprung gewesen sind. Wie von Albertus Magnus, dem doctor universalis, in der christlichen Legende erzählt wurde, daß ihm, der ursprünglich von geringen Anlagen gewesen sei, auf sein Bitten durch übernatürliehe Erleuchtung Gaben und Kenntnisse verliehen wurden, so berichtete von Maimonides die jüdische Sage, daß er in der Jugend unwissend und für Belehrung unempfänglich gewesen sei. Von seinem Vater darob gescholten, verließ er das Elternhaus und flüchtete in ein Gotteshaus. Hier schlief er ein, und als er erwachte, war er für die Wissenschaft begeistert24. War die Begabung des Maimonides ein Geschenk des Hirnmels, so war sein reiches Wissen durch Fleiß erworben. Gleich Simon b. Jochai, der dreizehn Jahre mit seinem Sohne in einer Höhle dem Torastudium oblag, hat, der Sage nach, auch Maimonides zwölf Jahre in einer Höhle geweilt, wo er von seinem Lehrer in der Tora unterwiesen wurde25. Dank seinem Fleiße ist Maimonides nicht nur ein Schriftgelehrter geworden, sondern auch ein Mann von vielseitigem Wissen. Als Leibniz den ,,Führer“ des Maimonides in der lateinischen Übersetzung zu Ende gelesen hatte, bezeichnete er am Schlüsse auf dem Deckel seines Buches Maimonides als ausgezeichneten Philosophen, hervorragenden Mathematiker und hochgelehrten Arzt und Schriftforscher26. Die vielseitigen Kenntnisse des Maimonides 24 Hertling, Albertus Magnus in Geschichte und Sage, Köln 1880, S. 16; Schalsch. 35 a. 25 Sabb. 33 b; Schalsch. 32 b. — 25 Kaufmann GS II 175.

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