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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 462

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Raschi und Maimonides in Geschichte und Sage
Date
1939-01-01
Page
Seite 462 (sequence 6)
Language
German
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462 Juda Bergmann schrieb17. In Wirklichkeit heißt ein Werk von Raschi ,,ha-Pardes“ und nicht ״ha-Pamas“. Vielleicht durch den Namen dieses Werkes angeregt, der ״Garten“ oder ״Paradies“ bedeutet, dichtete die Sage, Raschi habe erfahren wollen, wer sein Nachbar im himmlisehen Paradiese sein werde. Darauf wurde ihm im Traume mitgeteilt, daß es ein Mann in Barcelona sein werde, der Abraham der Rechtschaffene heiße. Trotz seines hohen Alters reiste Raschi nach Barcelona, sah dort seinen zukünftigen Nachbar im Paradiese und schrieb ihm zu Ehren das Buch ״ha׳Pardes“18. Eine andere Sage führt Raschi auf seinen Reisen auch nach Prag, wo er von der Gemeinde in Ehren empfangen, dann aber auf Befehl des Fürsten gefangen genommen wurde. Bald darauf wurde Raschi in den Palast des Fürsten gebracht, um dort in Gegenwart des Bischofs verhört zu werden. Wie erstaunt war jedoch der Bischof, als er in Raschi den Mann wiedererkannte, mit dem er einst als Mönch disputiert und der ihm das Leben gerettet hat. Nachdem der Bischof die Befreiung seines Lebensretters erwirkt hatte, bat Raschi den Fürsten um Schutz für seine in Prag bedrohten Brüder. Der Fürst erfüllte die Bitte und ernannte überdies Raschi zu seinem Ratgeber19. Raschi starb in Troyes, wo er auch begraben wurde. Dagegen weiß der Verfasser des ״Schalschelet ha-Kabbala“ zu berichten, jüdische Kaufleute aus Mantua hätten Raschis Grab in Prag gesehen20. Die Sage aber dichtete über Raschis Grab in Prag folgende Erzählung: Als Raschi mit seiner Frau, die er in Prag heimgeführt hatte, in die Heimat zurückkehren wollte, wurde er überfallen und getötet. Durch einen Wundertrank, den ihm die Frau eingeflößt hatte, wurde Raschi zum Leben wiedererweckt. Um jedoch den Neid der Feinde nicht zu erregen, wurde der leere Sarg auf dem Friedhof in Prag bestattet21. Selbst das Haus, das Raschi in Troyes bewohnte und an dessen Stelle später ein Fleischerladen errichtet wurde, ward von der Sage umwoben. In ihm geschah das gleiche Wunder wie im 17 Schalsch. 37 b. — 18 Liber 71. — 19 Liber 44. — 20 Schalsch. 37 b. 21 Liber 71.

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