Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Raschi und Maimonides in Geschichte und Sage
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 461 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Raschi und Maimonides in G-escliiolit© und Sage 461 König von Jerusalem erhoben werde, später jedoch werde das Glück sich wenden. Viele würden im Kampfe fallen, und die Schar der Heimkehrenden werde nur aus drei Männern und einem Roßkopf bestehen. Nach vier Jahren erfüllte sich Raschis Prophezeiung. Der Ritter kehrte mit vier Mann und einem Roß nach Worms zurück. Doch ehe er durch das Stadttor von Worms eingezogen war, tötete ein Balken, der vom Tore herunterfiel, einen Mann und das Pferd, dessen Kopf schon innerhalb des Stadttores war. Da gedachte Gottfried von Bouillon der Prophezeiung Raschis und ging hin, um ihn zu ehren. Doch als er in das Lehrhaus kam, erfuhr er, daß Raschi gestorben war, und trauerte um ihn13. In Wirklichkeit ist Gottfried von Bouillon fünf Jahre vor Raschi gestorben und hat seine Heimat niemals wiedergesehen. Die Sage jedoch führte ihn, um die geschichtlichen Tatsachen unbekümmert, in die Heimat zurück, um die Erfüllung von Raschis Prophezeiungen darzutun. Religionsgespräche, wie sie in Frankreich zwischen Juden und Christen im 12. Jahrhundert stattfanden, waren zur Zeit Raschis nicht üblich. Dagegen erzählte die Sage, das in der Geschichte Fehlende ״ergänzend“, daß Raschi mit einem Mönch ein Religionsgespräch geführt und ihn widerlegt habe14. Liebeseiweisung gegen Alle ohne Unterschied galt Raschi als religiöse Pflicht. Die Christen, so schrieb er, wissen es, daß auch ihre Armen in der Not von den Juden unterstützt werden15. Dafür bringt die Sage ein Beispiel aus Raschis eigenem Leben. Als Raschi den Mönch, den er im Religionsgespräch widerlegt hatte, krank in der Herberge fand, nahm er sich seiner mit Liebe an. Als der Mönch ihm für seine Liebe danken wollte, erwiderte Raschi: In unserem Glauben sind wir getrennt, aber vereint sind wir durch die Menschenliebe, die mein Glaube mir zur Pflicht macht; wenn du einem Juden begegnest, der leidet, hilf ihm, wie ich dir geholfen habe16. Nach einer ״Überlieferung“ kam Raschi auf seinen Reisen auch nach Spanien, wo er im Hause des Gemeindevorstehers, ״Parnas“, wohnte und auf seinen Wunsch ״Sefer ha-Parnas“ 13 Schalßch. 38 a.— 14 M. Liber, Rashi, Philadelphia 1906, S. 43f. 15 Raschi zu Bb 11 a s. v. 16 — .דלא סיימוה Liber 44.