Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Raschi und Maimonides in Geschichte und Sage
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 460 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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460 Juda Bergmann in seiner Heimatstadt Troyes. Die Sage jedoch, die darauf hinweisen will, daß Raschi, als er seine Kommentare schrieb, von den Vorgängern gelernt und aus ihren Werken geschöpft hat, erzählt, daß Raschi in seinem 33. Lebensjahre seine Heimat verließ, um auf seinen Wanderungen durch Italien, Griechenland, Palästina, Persien und Ägypten die in den Lehrhäusern dieser Länder übliehen Erklärungen kennenzulernen. Hach seiner Heimkehr schloß er in Troyes den Kommentar zur Tora und zu 23 Talmudtraktaten ab und begann sie zu veröffentlichen10. Bezeichnend ist, daß die Sage, die die Stimme des Volkes ist, nicht Raschis Talmudkommentar verherrlicht, der mehr den Gelehrten ein Wegweiser gewesen, sondern den Torakommentar, der zum Lieblingsbuch des Volkes geworden ist. Raschi, so berichtet die Sage, fastete 613 Tage, bevor er den Torakommentar geschrieben. Als er das Werk vollendet hatte, erschien ihm Mose und rief ihm zu: Heil dir!11 Damit wollte die Sage aussprechen, daß Raschi die Anerkennung Moses verdient hätte, dessen Lehre er durch den Torakommentar dem Verständnis und Herzen des Volkes nahegebracht hat. Raschi kam weder mit der Philosophie noch mit der Mystik in Berührung. Auch die praktische Kabbala, die durch die Anrufung des Gottesnamens glaubte Wunder und Heilungen vollbringen zu können, war Raschi fremd. Die Sage jedoch schrieb ihm die Kenntnis der praktischen Kabbala zu. Wie Josef Karo nach dem Tode seinem Freunde erschien, um ihm Geheimnisse zu offenbaren, so erschien nach der Sage auch Raschi seinem Enkelsohne und forderte ihn auf, sich zu reinigen und lehrte ihn dann die Anrufung des Gottesnamens12. Die Sage liebt es, den Frommen die Gabe des Prophezeiens zuzuschreiben. So erzählt sie, Gottfried von Bouillon sei, bevor er den Kreuzzug nach Jerusalem unternommen habe, nach Worms gekommen, um Raschi über den Ausgang des Kreuzzuges zu befragen. Raschi prophezeite dem Ritter, daß er zwar siegen und zum 10 Schalsch. 37 b. — 11 Schein haged. s. v. Raschi. 12 Ifoid. s. v. Josef Karo und Raschi.