Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Raschi und Maimonides in Geschichte und Sage
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 458 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- Rashi 3× ep/1002670
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458 Juda Bergmann pädagogischen Sinn. Vorbildlich ist Raschis Streben nach Präzision und Klarheit und die dienende Demut, mit der er den Lernenden durch die Tiefen des ,,Talmudmeeres“ hindurchführt. Raschi hat zur Zeit des ersten Kxeuzzüges in Troyes gelebt. Die Judenverfolgungen, die erst in der Rheingegend begonnen haben, hat Raschi nicht mit angesehen, sondern von ihnen nur gehört. An dem Leidensschicksal der Verfolgten hat er mitfühlend teilgenommen. Vielleicht sind damals die Selichot Raschis entstanden, deren vorherrschender Charakter, wie Zunz meint, Wehmut ist und deren Inhalt die bittere Klage über die Leiden Israels bildet, Vielleicht hat Raschi angesichts der Verfolgungen auch die Weissagung Jesajas vom leidenden Gottesknecht, im Gegensatz zu Targum und Midrasch, auf das jüdische Volk gedeutet. Sein Mitleid gehörte den Leidenden, den Verfolgten sein Herz. Als viele, die während des ersten Kreuzzuges zum Abfall vom Judentum gezwungen wurden, zu ihrem Glauben später zurückkehrten, verbot Raschi, daß man den Zurückgekehrten den Abfall von ihrem Glauben vorwerfe und sie beschäme, da sie nur aus Furcht vor dem Schwert des Verfolgers abtrünnig wurden3. Raschis Wahlspruch war: Auch der Israelit, der gesündigt hat, bleibt ein Israelit. In der Zeit der Leiden mahnte er zur Einigkeit. An eine Gemeinde, in der ein Streit ausgebroehen war, schrieb er: Richtet euer Herz darauf, dem Frieden nachzujagen, denn der Friede erlöst euch aus der Hand des Bedrängers4. Die Lehrtätigkeit, die Raschi mit seinen beiden Kommentaren zu Lebzeiten begonnen hatte, dauerte auch nach seinem Tode fort. Wie er zu Lebzeiten seinem Volke ein Erzieher und Vorbild gewesen ist, so blieb er es auch nach seinem Ableben. An den letzten Satz, den er kurz vor dem Tode in dem Kommentar zum Traktat Makkot niedergeschrieben hat und in dem sich das Wort ,,rein“ findet, schloß der Fortsetzer des Kommentars, Raschis Schüler und Schwiegersohn, die Worte an: ,,Die Seele unseres Lehrers verließ seinen Körper in Reinheit5.“ Wie Raschis Werke ausgezeichnet waren durch Klar- 3 Meir von Rothenburg GA ed. Prag Nr. 853. 4 Ozar nechmad II 178. — 5 Raschi zu Makkot 19 b.