Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Raschi und Maimonides in Geschichte und Sage
- Date
- 1939-01-01
- Page
- 457 (sequence 1)
- Language
- German
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Raschi und Maimonides in Geschichte und Sage Von Juda Bergmann Zu den Geistesheroen, die im Gedächtnis und in der Sage des jüdischen Volkes fortleben, gehört Raschi. Seit seiner Gehurt im Jahre 4800 (1040) sind 900 Jahre vergangen, sein Werk jedoch wirkt fort, sein Platz in der Geistesgeschichte des Judentums steht fest, seine Bedeutung ist unvergänglich. Im 12. Jahrhundert schrieb in Deutschland Elieser b. Nathan über Raschi: Die Lehre der Wahrheit war in seinem Munde, er wandelte in Frieden und Geradheit, durch ihn wurde die Tora verherrlicht1. Im 14. Jahrhundert erklärte Isaak b. Scheschet in Spanien, ohne Raschis Kommentar wäre der Talmud ein verschlossenes Buch geblieben2. Noch im 19. Jahrhundert hat Samuel David Luzzatto in Italien Raschis sittliche Persönlichkeit und seine aus den religiösen Quellen des Judentums schöpfende Frömmigkeit in Worten warmer Verehrung gepriesen. Gleich den Tannaiten und Amoräem hat Raschi dem Studium und der Deutung religiöser Urkunden, der Bibel und des Talmuds, sein Leben gewidmet. Sein Bibel-, vor allem aber sein Torakommentar hat nicht nur den Wortsinn zu ermitteln gesucht und nach dieser Richtung hin auf spätere Ausleger hundertfältig gewirkt, sondern zugleich auch die traditionelle Schrifterklärung und Kenntnis des Midrasch dem Volke vermittelt. Raschis Torakommentar ist ein Volksbuch geworden, der Wortschatz dieses Kommentars hat die hebräische Sprache bereichert, einzelne von seinen Aus- Sprüchen sind in die Sprache des Voltes übergegangen. Raschis Bibelkommentar wurde später wissenschaftlich übertroffen, unbestritten jedoch blieb zu allen Zeiten der hohe Wert seines Talmudkommentars, unbestritten auch das Urteil, daß ohne diesen Kommentar der Talmud ein verschlossenes Buch geblieben wäre. Raschis Talmudkommentar zeugt von einem unvergleichlichen 1 ראב׳ץ Nr. 107. — 2 ריב״זט Nr. 394.